Der "Bruchteil einer Sekunde" - und der 2. Blick

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Der "Bruchteil einer Sekunde" - und der 2. Blick

Beitragvon Aniram » 30.07.2012 09:09

Hallo
Sicher habt Ihr (oder zumindest einige von Euch) auch schon die Erfahrung gemacht, dass ein ganz kurz angesehener Gegenstand (zB ein Schriftzug in einer grösseren Entfernung) für einen ganz kurzen Moment ganz scharf und klar erscheint.
Dann wird es sofort unklar und muss erst 'mühsam' wieder 'scharf gestellt' werden (wenn es überhaupt gelingt, es wieder genau so scharf zu bekommen).

Bates schrieb darüber:
Es ist unmöglich für das Auge, seine Sehkraft für länger als einen Teil
einer Sekunde auf einen Punkt zu heften. Macht es den Versuch, so tritt
sofort eine Anstrengung ein, und die Sehschärfe wird herabgemindert.
(S. 114)

Es ist nun aber auch so, dass bei einem Blickwechsel, insbesondere bei grösseren Blicksprüngen, das 'anvisierte Ziel' nicht sofort ganz richtig getroffen wird und 'auf den ersten Blick' für einen ganz kurzen Augeblick erst einmal unscharf erscheint - auch beim Normalsichtigen.

'Sakkadenmässig' wird das so erklärt, dass die erste Sakkade noch nicht voll ins Ziel trifft und dann von einer genaueren 'Korrektusakkade' gefolgt wird:

Wurde eine Sakkade ausgeführt, so unterschießt diese das
Ziel in der Regel, so daß unmittelbar nach einer Sakkade noch eine kleine Sakkade ausgeführt
wird, die dann das Ziel erfaßt. Diese kleinere Sakkade nennt man Korrektursakkade

( http://www.lascap.de/Downloads/Augenbewegungen.pdf S.6)

Vergleicht man dieses Sehverhalten mit dem oben beschriebenen 'kurzsichtigen 2. Blick', hiesse das 'sakkadenmässig ausgedrückt':

Der Normalsichtige 'schiesst' erst eine 'Peilsakkade' los und trifft dann mit der 'Korrektursakkade' genau(er) ins Ziel - und der Kurzsichtige 'schiesst' erst genau ins Ziel und dann mit der 2. (und jeder weiteren) Sakkade daneben?

Was meint Ihr dazu?

Gruss
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Beitragvon moobe » 30.07.2012 15:56

Hi,

lies hier mal bitte den letzten Post von mir:

http://www.augen-training.com/ich-freue ... 8-s15.html


In den letzten Zeilen komme ich auch auf dieses "Problem". Noch warten wir alle gespannt auf Flos Antwort :D


LG Moobe
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Beitragvon Aniram » 31.07.2012 09:53

moobe hat geschrieben:
In den letzten Zeilen komme ich auch auf dieses "Problem".



Hallo Moobe
Ein 'Problem' ist es ja eigentlich nicht, aber es könnte hilfreich sein, wenn man bei manchen Abläufen die Zusammenhänge besser versteht.

Das oben beschriebene Phänomen ist mir in der letzten Zeit öfter aufgefallen.
Insbesondere Strassenschilder, auf die mein Blick (zT auch unabsichtlich) fiel, waren im ersten Moment für einen kurzen Augenblick völlig scharf, bevor sie wieder verschwammen und ich mir die Schärfe erst wieder 'erarbeiten' musste.

Das hat mich an die zitierte Stelle bei Bates erinnert.
Hier geht es ihm ja eigentlich darum, dass bei längerem '(An)Starren' eines Sehobjektes der zentrale Blick verloren geht und stattdessen ein grösserer Bildausschnitt auf einmal angesehen wird, der dann gezwungenermassen unscharf ist.
(Dafür hat er die Schwing - und Schweifübungen entwickelt, um das 'Loslassen' des Blicks zu üben. Und das 'Flashing' funktioniert auch dadurch.).

Ich habe mich gefragt, was da eigentlich 'sakkademässig ausgedrückt' abläuft.

Denn dem scheint zu widersprechen, dass Bates an anderer Stelle sagt, nämlich dass ganze 4 Blickbewegungen nötig sind, um einen Buchstaben der untersten Zeile so zu erfassen, dass er scharf erkennbar ist.

Genauso wie auch die oben zitierte Aussage zu den Korrektursakkaden.
Die Seherfahrung von Normalschtigen bestätigt das:
An anderer Stelle im Forum habe ich schon einmal über ein 'Sehexperiment' mit meinem jüngeren Sohn (der sehr gut sieht) geschrieben.
Ich hatte ihn gebeten, erst ganz entspannt das Fernsehbild anzusehen und dann mit dem Blick auf die unterste Zeile der schräg darunter hängenden Sehtafel zu gehen. Er war sehr überrascht, dass im ersten Moment die Buchstaben für einen kurzen Augenblick ganz verschwommen waren, bevor sie dann sofort klar und scharf wurden. Diese anfängliche Unschärfe nach einem Blicksprung war ihm zuvor noch nie aufgefallen.

Ebensowenig wie es uns Kurzsichtigen in der Regel auffällt, dass vor dem unscharfen Bild ein ganz kurzer scharfer Augenblick ist.

Ich dachte, wenn man genauer verstehen würde, was da eigentlich 'abläuft' - also, was genau im einen Fall richtig und im anderen Fall falsch läuft -, könnte man eher Falsches vermeiden und Richtiges vertiefen.
Gruss
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Beitragvon Flo » 31.07.2012 12:34

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Beitragvon Aniram » 31.07.2012 13:07

Hallo Flo
Danke für die Erklärung!

Nein, "diesen (sehr radikalen) Pfad zum perfekten Sehen" wollte ich eigentlich nicht beschreiten.
Ich hatte mir nur vorgestellt, dass man evtl an diesen kurzen scharfen Augenblicken anknüpfen und sie irgendwie 'ausnutzen' könnte, bevor "der (noch) nicht gesunde Geist" Gelegenheit findet, "den Funktionsmechanismen des visuellen Systems durch synaptisches Sperrfeuer" "hineinzupfuschen" und sie zu verzerren/zu behindern/zu verhindern".

Aber, so wie es aussieht, ist mein Geist wohl noch zu ungesund und so werde ich mich wohl aufs 'wieder ausbügeln' des angerichteten Schadens beschränken müssen...
Gruss
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Beitragvon Flo » 31.07.2012 13:10

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Beitragvon Aniram » 31.07.2012 13:35

Flo hat geschrieben:Wobei es doch eigentlich eine ganz einfache Übung ist... Bild


Ich hatte Dich so verstanden, als ob Du eher davon abraten wolltest...

Flo hat geschrieben:Aber das denke ich von der in meiner Signatur beschriebenen Vorgehensweise auch ständig (möglicherweise irrtümlich)... Bild


Unter 'Idealbedingungen' ja - wenn da doch nur nicht immer so viel "Sperrfeuer" wäre... :wink: (das hast Du sehr schön ausgedrückt; ich habe es gleich bildlich vor mir gesehen); leider komme ich oft nicht dagegen an....
Gruss
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Beitragvon Flo » 31.07.2012 14:12

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Beitragvon moobe » 31.07.2012 17:22

Ich habe die Methode auch bereits oft genug ausprobiert, sie funktioniert aber bloß ein paar Mal. Danach muss ich meine Augen länger aufbehalten, sonst werden die Buchstaben nicht scharf.


An das Experiment mit dem Fernseher habe ich auch gedacht, ich wollte es auch in meinem nächsten Post erwähnen^^


@Flo: NUR mit deiner Methode funktioniert es bei mir nicht immer, eine scharfe Sicht zu erreichen. Aber ganz oft übe ich nach deiner Anleitung, aber nur mit einem Auge. Dann mache ich es mit dem anderen und wenn ich beide öffne wird alles scharf :D




LG Moobe


P.S: Ich weiß, ich habe es schonmal gefragt, aber da Schule bald wieder los geht und ich sonst die Brille tragen müsste: Flo, wie würdest du deinen Geist "austricksen", um klare Sicht auf der Tafel in der Schule zu bekommen? Das "Flasching" funktioniert, sieht aber merkwürdig aus^^
Ich habe Lehrer, da schaffe ich es nämlich einfach nicht, die Buchstaben scharf zu stellen und bin gezwungen, die Brille aufzusetzen/ Augen anzustrengen. Bates sagt, dass man lernen muss, in ALLEN Lebenssituationen auf die Brille zu verzichten, daher nehme ich sie auch manchmal nicht mit zur Schule und bereue es dann :D
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Beitragvon Flo » 31.07.2012 18:07

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Re: 38

Beitragvon moobe » 31.07.2012 18:25

Flo hat geschrieben:Austricksen? Deinen eigenen Geist?? Keine Chance! Man kann sich nicht selbst austricksen! Genausowenig, wie man sich selbst kitzeln kann. Hart, aber fair. :|


Das Beispiel mit dem Kitzeln ist gut! Aber gibt es denn gar keine Chance?


In den Himmel schauen würde auch ziemlich viel bringen, aber das geht auch nicht im Unterricht...
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Beitragvon Aniram » 01.08.2012 10:57

Hi Moobe
Sich selbst austricksen bei Dingen, die einem besonders wichtig sind, die man unbedingt erreichen (oder auch vermeiden) will, ist schwierig, da man sich selbst durch den 'übergrossen' Wunsch danach im Weg steht.

Am Besten funktioniert es noch, wenn man sich einredet bzw sich selbst davon überzeugt, dass es eigentlich völlig irrelevant ist.

Mein Mann bringt gerne das Beispiel vom Erröten:
Wenn Dir etwas peinlich ist und Du willst auf keinen Fall auch noch rot werden und so diese Peinlichkeit für alle sichtbar machen - dann wirst Du um so mehr erröten, je mehr Du es mit aller Macht zu vermeiden versuchst.
Wenn Du Dir dagegen sagst:"Ist mir doch egal, wen juckt's denn, ob ich rot werde oder nicht, soll es doch ruhig jeder sehen..." dann wirst Du vermutlich überhaupt nicht erröten (es sei denn natürlich, Du glaubst das Dir selbst nicht).

Vielleicht kannst Du es mit der Brille ähnlich machen:
Leg sie griffbereit neben Dich und sage Dir:"Ich muss gar nichts davon unbedingt lesen können, ich kann ja jederzeit ganz schnell die Brille aufsetzen und dann alles ganz klar sehen.
Das ist alles nur ein Spiel, mal sehen, wie weit ich diesmal dabei komme."
So fällt zumindest schon mal der 'Erfolgsdruck' weg und Du kannst so entspannt wie möglich an die Sache herangehen (und je 'spielerischer', um so mehr Spass macht es und um so mehr entspricht es dem 'natürlichen' Sehen).
Gruss
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Beitragvon Tango » 01.08.2012 17:17

Wieviel Stunden am Tag verwendest Du denn sonst Deine Brille/KL?

Grüsse
Silke
Ausgangswerte
Brille
-8,0, -0,5 60° und -8,5,-0,5 20°
KL -7,5 und - 8,0
Zur Zeit mache ich alles mit
Brille - 6,0
KL - 5,5
Tango
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Beitragvon moobe » 01.08.2012 19:51

Hi,

danke für eure tollen Antworten :D Aniram, ich denke, dass dein Post mir geholfen hat und es so auch besser werden wird, danke ;)

Wieviel Stunden am Tag verwendest Du denn sonst Deine Brille/KL?


Ich trage sie nie, außer bei den Fahrstunden (also fürs Autofahren) und für Schule, die bald beginnt ;)
moobe
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