Fahrradsturz durch "zu viel Sehtraining"

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Fahrradsturz durch "zu viel Sehtraining"

Beitragvon Martin/T. » 22.03.2012 17:09

Hallo Kamerad(inn)en,

einen "Erfolgsbericht" der besonderen Art möchte ich heute einstellen. Nicht dass ich irgendeine Absicht damit verbände, von mir auf andere zu schließen, oder auch nur für mich selbst zugeben müsste, dass irgendetwas anderes als meine eigene Unachtsamkeit hier zu beschuldigen sei, das Augentraining ohne Not in einen Kontext zu bringen, der Skeptiker in ihrer angemaßten moralischen Verurteilung zu bestätigen geeignet ist, - aber ich denke, es ist trotzdem nur fair, ich bringe einfach die Fakten eines Ereignisses, das sich bei mir als "Nebenwirkung" erfolgreichen Augentrainings (angewandt durch den fehlbaren Menschen, der ich bin) eingestellt hat.

Jede(r) möge die Konsequenzen daraus ziehen, die ihm/ihr angemessen scheinen.

Nein, es war nicht die berühmte Unterkorrektur, die schuld war; ich bin ja fast normalsichtig, und die Vernebelungsbrille hatte ich schon im letzten Frühjahr abgelegt. Sondern es war ganz einfach nur klassische Unachtsamkeit. Hans-guck-in-die-Luft sozusagen.

Am 17. September letzten Jahres, an einem der letzten schönen Tage, - und entsprechend leicht bekleidet -, steuerte ich die letzten Kilometer einer meiner oft gefahrenen Überlandtouren an, als ich mitten in den schönsten Betrachtungen der Landschaft, - mit einem Arm vom Lenker, um meine bis dahin praktizierten "Heterophorietests" an irgendwelchen Masten und Linien in der Landschaft durchzuführen, - mit einem Schlag auf den Boden der Tatsachen - und auch der Erde zurückgeholt wurde. Bei etwa Tempo 30 war ich auf einem (leicht) steinigen Feldweg in eines der bösen, tiefen Schlaglöcher gesaust, die ich im Grunde genommen schon seit Jahren an dieser Stelle kannte, die ich aber noch leicht vor mir wähnte, bis sie mir dann (in der Zehntel Sekunde Unverletztheit, die mir dann noch blieb) reuevoll ins Gedächtnis zurücksprang.

Der Lenker war sofort total verrissen, und gegen den linken Fuß eingeklemmt. Mit der rechten Hand sowieso schon in der Luft (erhoben für meine träumerischen und eigentlich völlig überflüssigen Experimente) fiel ich links über hatte keine Chance mehr, irgendwelche Abfederungen zu versuchen. Den Kopf und alles Wesentliche konnte ich zwar vorm Aufprall retten - Gott sei Dank - aber dem linken Unterarm nahe dem Elnbogen und dem linke Knie fiel die Rolle des Bremspuffers zu.

Alles in allem habe ich sehr großes Glück gehabt. Nur die Wunde am Knie musste genäht werden. Alles verheilte gut, sogar die Narben scheinen gering zu sein, auch wenn die Stellen bis heute großflächig blutunterlaufen sind. Es war mein bisher schwerster Radunfall in 125.000 gefahrenen Kilometern über die letzten 20 Jahre, und eigentlich ein völlig überflüssiger.

Im Grunde ist das Letzte aber beruhigend. Ich habe es eindeutig zu weit getrieben, und ein Gefühl für den Ernst auch der einfachsten, eingefahrensten Alltagsprozeduren beim "Streben nach höheren Dingen" verloren. Ich denke, ich hoffe, ich habe daraus Konsequenzen gezogen.

Zusätzlich ist es auch ein schöner Anschauungsunterricht, wie verwundbar man als Zivilisationsmensch doch eigentlich lebt. Es war auch von daher Glück, dass es wenige 100 Meter neben einer Landstraße bei Tagzeit passierte, so dass ich rasch Helfer fand. All das kann auch einmal anders sein. Ich war zwar - nach kurzer Benommenheitspause am Wegesrand - noch gut lauffähig, aber doch heilfroh, dass ich von dieser Fähigkeit nicht über längere Strecken Gebrauch machen musste. Irgendwie schon erschreckend, wie schnell man sich doch wie armselig bereits fühlt.

:wink:
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Beitragvon Aniram » 22.03.2012 17:38

Hallo Martin
Ja, ja, Radfahren ist gefährlich...!
Ich habe mich vor 4 Wochen auch hingelegt, allerdings habe ich nicht direkt die Augen trainiert (an der Stelle gab es wirklich nicht viel zu sehen), ich war aber trotzdem mit meinen Gedanken überhaupt nicht bei der Sache und habe nicht auf die Strasse geachtet.

So habe ich viel zu spät bemerkt, dass ich schon auf dem unbefestigten Strassenrand gelandet war und abzutrutschen begann - mein unüberlegter Versuch (wohl immer noch etwas geistesabwesend), das Rad viel zu spät doch noch wieder herumzureissen, führte dann natürlich dazu, dass ich erst recht auf den Asphalt gekippt bin...(glücklicherweise kam gerade kein Auto!).

Das linke Knie war etwas lädiert, hat sich aber schneller erholt, als erwartet.
Aber die rechte Schulter (vorbelastet durch Auskugeln vor ein paar Jahren),ist immer noch nicht ganz wieder in Ordnung.

Seither achte ich doch ein wenig mehr auf die Strasse...:wink:

Ansonsten lasse ich sehr gerne meine Augen beim Radfahren schweifen.
Du kannst ja die Strasse mit einbeziehen und schnellere Schweifbewegungen üben :lol:.

Gefährlicher scheint mir zu sein, wenn die Gedanken gar zu weit abschweifen, weil dann die Reaktionsfähigkeit doch ziemlich leidet....
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Re: Fahrradsturz durch "zu viel Sehtraining"

Beitragvon Aniram » 23.03.2012 15:12

Martin/T. hat geschrieben: Ich denke, ich hoffe, ich habe daraus Konsequenzen gezogen.


Ich hoffe, Du hast nicht die Konsequenz gezogen, dass Sehtraining beim Radfahren gar nicht mehr in Frage kommt.
Das fände ich sehr schade, denn gerade das Radfahren bietet so viele Möglichkeiten mit immer wieder verschiedenen Distanzen, unterschiedliche Lichtverhältnisse, allein schon die Bewegung....

Und - wie gesagt - Unaufmerksamkeit durch vollständiges 'In-Gedanken-Versunken-Sein' ist mindestens genauso gefährlich (und lässt sich schwer unterbinden, da man meistens unbewusst dahinein'rutscht'....)

Vielleicht wäre ein Sehtraining am besten geeignet, das die Strasse mit einbezieht.
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Re: Fahrradsturz durch "zu viel Sehtraining"

Beitragvon Martin/T. » 23.03.2012 16:04

Aniram hat geschrieben:Und - wie gesagt - Unaufmerksamkeit durch vollständiges 'In-Gedanken-Versunken-Sein' ist mindestens genauso gefährlich (und lässt sich schwer unterbinden, da man meistens unbewusst dahinein'rutscht'....)


Genau diese Art von falschem, übrigens auch zwanghaftem, "Sehtraining" (mit "") habe ich ja betrieben. Da ist eine Menge Ungeduld mit eingeflossen, und damit auch Respektlosigkeit gegenüber den gewöhnlichen Alltagsverrichtungen. Dabei gehört Fahrradfahren unzweifelhaft zu den schöneren darunter.

Sehtraining als zentrales Fixieren ist sowieso kein Problem für die Verkehrssicherheit. Dumm ist dabei nur, dass ich immer noch nicht von mir sagen kann, ich wüsste, wie man dieses Batessche Sehen korrekt betreibt. Für mich ist das immer noch ein Schwall schöner Worte, mit denen keine direkte Erfahrung korrspondiert. (Es sei denn, es sollte sich herausstellen, dass ich unbewusst das Richtige tue, sozusagen "Nein sagen und Ja tun", aber das wage ich nur ganz klein und in Klammern zu denken.) In den ersten Jahren meiner Sehverbesserung war Fahrradfahren geradezu ein Hinderungsfaktor für die Erzeugung und Kultivierung meiner guten Momente. Irgendwie kamen sie bei schnell schlagendem Herzen nicht und stattdessen erzeugte das damals noch viel schlimmere Ghosting ein einziges Wischiwaschi vor meinem inneren Auge. Das war eine schwere Zeit für mich. Etwas später war das zwar nicht mehr der Fall, aber ich hatte immer noch keine Kontrolle (Feedback) während des Fahrens, denn um auch nur zu sehen, ob die Augen gut eingestellt oder verspannt sind, erst recht um im letzteren Fall nach Möglichkeit Einfluss zu nehmen, brauchte ich scharfe und möglichst genormte Strukturen, die man selten auf der Straße findet (sondern eher in den Baumwipfeln, am Horizont, oder bestenfalls auf den Nummernschildern der Autos, an denen man sich auch zu sehr festgucken kann :twisted:).

Und daher empfang ich Fahrradfahren immer noch als für's Sehen verlorene Zeit (ob's stimmt oder nicht). Erst seit etwa einem Jahr sehe/spüre ich den Zustand meiner Augenmuskeln auch während des Fahrens und merke auch, wie frische Luft, Licht etc. an sich entspannend und daher förderlich wirkt. Das ist ein sehr guter Fortschritt, für den ich auch dankbar bin.

Im Prinzip war ich auch im September schon so weit. Gerade deshalb war der Unfall so ärgerlich. Zwanghafter Trainingseifer am falschen Ende hat ihn verursacht. Das ist meine "Lektion". Wie gesagt, vielleicht betrifft sie ja die allermeisten gar nicht.

Schön, dass ich in Dir noch eine "Kollegin" hab, die das scheinbar gar nicht so empfindet wie ich in der ersten Zeit. Freut mich für Dich.

:)
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Beitragvon Flo » 23.03.2012 16:32

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