Neu und gleich tiefschürfende Überlegungen

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Neu und gleich tiefschürfende Überlegungen

Beitragvon Hardyg » 23.03.2008 16:04

Hallo zusammen!

Ich bin auch ein Neuling in Sachen Augentraining. Am 23.02.2008 bin ich ins Thema eingestiegen und habe schon einiges im WWW gelesen, u.a. www-myopia-org und im med1-Forum, wo ich zuerst über das Thema gestolpert bin, und übe auch schon - weniger mit Lehrbuchübungen, mehr mit alltäglichen Dingen wie Lesen und so.
Ich bin 27 Jahre alt und würde mich am ehesten als kreativen und experimentierfreudigen Freidenker bezeichnen ... wobei das eine wahrscheinlich eh das andere bedingt. :)

Ich habe nur wenige Meßzeitpunkte für meine Fehlsichtigkeit:
1993-08-11: L -2,5, R -2,5
1994-07-26: L -2,25 x -0,75 @ 170°, R -2,75 x -0,75 @ 160°
1996-03-09: L -2,75 x -1,75 @ 0°, R -3,75 x -1,0 @ 5°


Zwischen der Brille von 1994 und der von 1996, die ich immer noch verwende und die noch quasi perfekt zu passen scheint, merke ich kaum einen Unterschied.

Ich habe mir eine Rasterbrille gekauft. Am PC nutze ich sie manchmal, manchmal sitze ich völlig unkorrigiert davor. In diesem Zusammenhang weiß ich meinen Opera-Webbrowser wirklich zu schätzen. Mal abgesehen davon, daß ich gerade 125 Webseiten offen habe und die bei einem Absturz alle wiederhergestellt werden, kann ich Webseiten beliebig zoomen und mir damit den Text so weit vergrößern, daß ich ohne Korrektur nicht so nah davorsitzen muß.

Ich habe eine Sehkarte im Zimmer aufgehängt; die mit "youcandrivenow", die man aus 3 Metern Entfernung lesen soll. Meist übe ich daran mit Zusatzbeleuchtung.
Morgens beim Frühstpck sehe ich aus dem Fenster und übe am Straßenschild, das ca. 10-20 Meter entfernt ist.

Übungen mit dem Anvisieren verschieden weit entfernter Objekte mache ich fast nicht, Augenrollen und sowas des öfteren mal kurz.

Ich kann von ersten Erfolgen berichten und möchte mich darüber gerne austauschen. Ihr versteht sicher, daß ich nicht das ganze Forum durchlesen möchte, daher wäre ich erfreut, wenn ihr 'Forums-Veteranen' mir Feedback zu meinen Überlegungen geben könntet.

...Also...

Daß scharfe Sicht bei viel Licht besser funktioniert, habe ich auch gemerkt und das funktioniert ja wie bei der Kameralinse: entweder mehr Lichteinfall oder mehr Tiefenschärfe.
Bei meinen Übungen besonders am Straßenschild verhält es sich nun so:
Oft gelingt der Einstieg ins Scharfsehen besser, wenn ich vorher aus größtmöglicher Erkennungsdistanz die Zeitung lese und dann von ihr aufblicke.
Jedes Blinzeln verändert die Anfangsbedingungen, und zwar bzgl. der Schärfe und/oder der Deckungsgleichheit beider Augen - oder vielleicht ist es auch der Astigmatismus.
Ich blinzele dann so lange, bis ich eine lohnenswerte Start-Sichtqualität habe. Außerdem habe ich manchmal leicht und kurz auf die Augen gedrückt und hatte danach kurz eine schärfere Sicht. Das ist eher ein bekannter Trick. Einen ähnlichen Effekt - nur noch etwas kürzer und schwächer - kann ich erzielen, wenn ich die Augen mal fest zukneife.
Wenn ich es nun schaffe, schärferzustellen, dann kann ich manchmal den Straßennamen sogar gestochen scharf lesen, obwohl noch der mutmaßliche Astigmatismus-Effekt eine umgebende Unschärfe erzeugt, manchmal fehlt aber sogar dieser, also dann sehe ich nahezu perfekt!
Problem: Das hält nur 1-5 Sekunden an, und zwar tritt etwas auf, was ich auch hier im Forum schon gelesen habe: Die Augenfangen sehr stark zu tränen an; manchmal aber nur ausschließlich ein Auge, so als ob eines versuchen würde, sich an die abweichende Fehlsichtigkeit des anderen Auges anzupassen. Das finde ich schon sehr interessent und ich denke, dieses Phänomen lohnt eine eingehende Untersuchung. Ich hatte erst vermutet, daß dies passiert, weil mir das Scharfstellen meist gut gelingt, wenn ich eine Weile nicht blinzele, aber manchmal geht das Tränen auch viel früher los, eben immer, wenn ich völlig scharf sehe. Das frustriert natürlich, weil es mir dann unmöglich ist, dann nicht zu blinzeln, und danach ist die Sicht wieder unschärfer.
Schon viel früher habe ich die Erfahrung gemacht, daß ein dicker Tränenfilm auf meinen Augen kurze Zeit die Scharfsicht verbessert, aber im hier geschilderten Fall ist es zu viel des Guten. ;) Möglicherweise haben ja die verschiedenen Anfangssichtqualitäten beim häufigen Blinzeln mit unterschiedlichen Tränenfilmdicken zu tun.
Darüberhinaus treten die Tränenausbrüche auch manchmal beim Tragen der Rasterbrille auf, ohne erkennbares spezielles Auslöseereignis.

Auf der Sekarte an der Wand konnte ich ein- oder zweimal schon die 20/40-Zeile "you can drive now" entziffern. Aber scharfe Sicht ohne verschwommene Umgebung hatte ich dort noch nicht, glaube ich. Das habe ich bisher nur beim Straßenschild geschafft. Auffallend ist auch, daß wenn ich auf der Tafel so kleine Zeilen entziffern kann, selbst die größten Buchstaben ganz oben noch einen verschwommenen Rand haben und dadurch nur mittelmäßig gut zu entziffern sind.

Drei Überlegungen nun:
1. Könnte es sein, daß diese Scharfsehmomente rein ein Resultat einer Adaption des Gehirns sind, daß also das Gehirn es so ähnlich wie die Rasterbrille macht und die Lichtstrahlen, die in einem ungünstigen Winkel einfallen, einfach im Sehempfinden ausblendet? Wäre es so, würde es zu einer REduktion der Lichtstärke kommen, aber vielleicht nimmt man die nicht wahr, weil das Gehirn gewisse Lichtstärkendifferenzen ja kompensieren kann, besonders bei hohen Lichtstärken, bei denen auch die Scharfsehmomente besonders gut gelingen. Allerdings könnte ich mir in dem Zusammenhang das Augentränen nicht erklären.

2. Ist das Augentränen bei der Scharfsicht vielleicht eine Reaktion auf Überbelastung des Auges, das mittels mühsam intensiver Mikrobewegungen (habe ich im WWW drüber gelesen) versucht, die Trennschärfe zu verbessern?

3. Sollte man bei tränenden Augen sofort unterbrechen, oder führt es vielleicht zu einer Anstrengung in Richtung besserer Sicht? Kurzsichtigkeit entsteht ja anscheinend, wenn das Auge über längere Zeit angestrengt Kurzsichtarbeit verrichtet. Entweder verlängert er dann den Augapfel gezielt, um die Linsenkrümmungslast des Ciliarmuskels zu lindern, oder es passiert als unerwünschter Nebeneffekt durch Verkrampfung der den Augapfel umgebenden Muskeln. Die Frage ist wie gesagt, ob diese tränenden Augen im Rahmen der Bemühung um scharfe Sicht vielleicht ebenfalls ein Streßsignal an den Körper senden und dieser dadurch motiviert wird, den Augapfel wieder zu verkürzen.

Kurze Frage zum Schluß: Ob es schadet, wenn ich zum Autofahren und so eine (vermutlich) überkorrigierte Brille trage? Wie wäre damit überhaupt der Sichteindruck?

So, dabei will ich es erstmal belassen. Ich freue mich schon auf regen Gedankenaustausch und Eure Tips für noch effizienteres Augentraining. :)



Frohe Ostern!
Hardyg
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Re: Neu und gleich tiefschürfende Überlegungen

Beitragvon Nicole » 23.03.2008 17:42

Hallo Hardyg,

herzlich willkommen hier. :D

Hardyg hat geschrieben:Die Augenfangen sehr stark zu tränen an; manchmal aber nur ausschließlich ein Auge, so als ob eines versuchen würde, sich an die abweichende Fehlsichtigkeit des anderen Auges anzupassen. Das finde ich schon sehr interessent und ich denke, dieses Phänomen lohnt eine eingehende Untersuchung.


Dazu kann ich nichts sagen, weil meine Augen bei sowas nicht tränen.

Hardyg hat geschrieben:Drei Überlegungen nun:
1. Könnte es sein, daß diese Scharfsehmomente rein ein Resultat einer Adaption des Gehirns sind, daß also das Gehirn es so ähnlich wie die Rasterbrille macht und die Lichtstrahlen, die in einem ungünstigen Winkel einfallen, einfach im Sehempfinden ausblendet?


Ein skeptischer Optiker meinte dazu:
Das Gehirn würde aus einem unscharfen Seheindruck ein scharfes Bild "errechnen". Denn über 80% des Sehens finden ja im Gehirn statt.

Hardyg hat geschrieben:Kurze Frage zum Schluß: Ob es schadet, wenn ich zum Autofahren und so eine (vermutlich) überkorrigierte Brille trage? Wie wäre damit überhaupt der Sichteindruck?


Nein, wenn du nicht stundenlang am Stück mit dem Auto fährst, schadet es nicht. Du wirst dann ja übersichtig, was zu Kopf- und/oder Muskelschmerzen führen kann, weil deine Augen durch eine zu starke Brille ständig akkomodieren müssen.

lg und ebenfalls frohe Ostern
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Beitragvon sven » 25.03.2008 00:44

Hallo Hardyg,

schoen, dass du dabei bist. Dei Artikel hat mir gut gefallen und ich kann deine Beobachtungen vollstaendig bestaetigen.

...
Daß scharfe Sicht bei viel Licht besser funktioniert, habe ich auch gemerkt und das funktioniert ja wie bei der Kameralinse: entweder mehr Lichteinfall oder mehr Tiefenschärfe.
...

Richtig. Die Linse ist ja nur dafuer da, um mehr Strahlen bei wenig Licht zu sammeln. Bei genuegend Licht braucht man ja kein Linsensystem und die Tiefenschaerfe wird unendlich (Lochkamera).

...
Jedes Blinzeln verändert die Anfangsbedingungen, und zwar bzgl. der Schärfe und/oder der Deckungsgleichheit beider Augen - oder vielleicht ist es auch der Astigmatismus.
...

Hab ich auch so bemerkt. Ich denke nur es das sehen findet vor allem im Gehirn statt. Es hat etwas mit der Erinnernung, dem Erwartungswert und den eingehenden optischen Informationen zu tun. Damit baut sich das gesehene Bild auf. Ich denke das Auge scannt und die Daten werden im Gehirn akkumuliert (aufsummiert/ueberlagert). Beim Blinzeln scheint meiner Meinung nach eine Art Reset dieses Gehirn Puffers stattzufinden.

...
Einen ähnlichen Effekt - nur noch etwas kürzer und schwächer - kann ich erzielen, wenn ich die Augen mal fest zukneife.
...

Ist bei mir auch so.

...
Wenn ich es nun schaffe, schärferzustellen, dann kann ich manchmal den Straßennamen sogar gestochen scharf lesen, obwohl noch der mutmaßliche Astigmatismus-Effekt eine umgebende Unschärfe erzeugt, manchmal fehlt aber sogar dieser, also dann sehe ich nahezu perfekt!
...

Deine Beschreibung dieses visuellen Effektes gefaellt mir sehr gut. Es ist bei mir exact genauso. Ich habe gestern, obwohl ich schwer kurzsichtig bin, auf einer Sehtafel, die fuer 3 m ausgelegt ist vom Esstisch aus der ca 4,5 m von der Tafel entfernt ist alle Zeilen bis zur 20/100 Zeile kurzzeitig (4-5 Sekunden bis zum naechsten Blinzeln) lesen koennen. Der von dir beschriebene umgebende Schleier war mit dabei. Normal kann ich nichtmal aus 3 m entfernung ohne Sehilfe irgendeine Zeile der Tafel lesen, geschweige denn aus 4,5 m.

...
Schon viel früher habe ich die Erfahrung gemacht, daß ein dicker Tränenfilm auf meinen Augen kurze Zeit die Scharfsicht verbessert, aber im hier geschilderten Fall ist es zu viel des Guten.
...

Bei mir exakt genauso. Ein Traenenfilm verbessert bei mir oft die Sicht.

Zu 1.)
Meine Beobachtungen deuten darauf hin, das das Bild was wir sehen aus den Mikrobewegungen der Augen zusammengesetzt wird. Wie der Elekronenstrahl beim Fernseher/Roehrenmonitor) durch sequentielles uebersreichen der Bildpunkte auch das ganze Bild generiert.
Es deutet fuer mich deswegen darauf hin, wegen der multiplen Bilder, also das 2 fach, 3 fach, 4fach, x fach sehen des Objektes wobei die Einzellbilder Geisterhaft durchscheinen. Das geisterhafte durchscheinen habe ich schonmal in der Technik gesehen, als ich Videobilder gefiltert habe (deinterlacing) und mehrere Bilder zusammengemischt habe.

Ich denke das Auge scannt mit einem Teil der Netzhaut das Bild und mischt die Bilder zusammen. Der Teil der Netzhaut der benutzt wird scheint davon abzuhaengen wo die eigene Aufmerksamkait liegt. Je mehr die Aufmerksamkeit auf Details liegt desto kleiner ist dieser Fleck und desto schaerfer kann es im Printzip werden.
Das Problem ist je kleiner der Fleck um so mehr muss sich das Auge bewegen. Es entstehen, da es ungewohnt ist Druckgefuehle im Auge (Kopfschmerzen, Augenschmerzen) und meiner Meinung kommen die untrainierten Augenmuskeln bei grossen schnellen Bewegungen nicht hinterher weshalb die Mehrfachbilder entstehen. Manchmal scheinen die Muskeln fuer kurze Zeit genug "Saft" zu haben, wie zB nach langer Dunkelheit (palmieren) oder zwischendurch. Ich weiss es nicht genau. Ich weiss nur, das mit zunemendem Betrieb meiner Augen im Grenzbereich was sie koennen, diese scharfen Momente immer mehr zunehmen. Es wird bei mir immer besser.
Ich hoere weder bei Traenen noch bei Druck/Muedigkeit/Schmerzgefuehlen auf sondern mache einfach weiter. So etwas wie Ueberbelastung bekomme ich nicht hin. Die "negativen" Empfindungen Traenen/Drueck/Schmerz klingen bei mir alle ab und treten nur bei noch groesserer Leistung wieder auf.

2.) Ich denke das Traenen ist voellig in Ordnung und nimmt mit der Zeit von alleine ab.

3.) Ich mache immer weiter und komme gut damit zurecht. Es wir bei mir immer besser. Meine Erfahrung mit den Augen zeigt mir, das Kurzsichtigkeit durch mangelndes Interesse am Sehen und an den Details der Umgebung entsteht. Es hat an sich nichts mit der entfernung zu tun sondern mit der Anzahl der Details. An sich muss man nur mehr Details zum Gehirn umleiten, man muss sich also das Bild was man sieht genauer ansehen. Es wird dadurch nicht sofort "schaerfer", aber man sieht besser und die Optik passt sich dann mit der Zeit den neuen Anforderungen an. Natuerlich kann ich eigentlich solche Behauptungen erst stichhaltig stellen wenn ich mich selbst geheilt habe. Vorher ist eigentlich alles Spekulation.

Vielen Dank fuer deine sehr detaillierten Beschreibungen. Ich habe es genossen meine eigenen Erfahrungen so genau beschrieben und reproduziert zu sehen.

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Beitragvon Hardyg » 25.03.2008 16:40

Da bin ich wieder. :)

Ich finde ebenfalls, daß die Deckungsgleichheit unserer Erfahrungen ein nützlicher Punkt ist. Damit wissen wir, daß wir über gleiche Sachverhalte sprechen und haben eine gemeinsame Basis zum weiteren Ergründen der Erfahrungen.

Dein beständiger Fortschritt bei der Scharfsehleistung macht Mut. Andererseits schwankt die Fähigkeit zum Scharfsehen bei mir von Tag zu Tag und selbst innerhalb eines Tages, und ich überlege eben auch, ob dieses ganze Training vielleicht im Endeffekt nur eine mühsame Kompensation ist, die aber nichts an der Augenverformung uns somit der Problemgrundlage ändert.
Allerdings bin ich beeindruckt, zu lesen, daß jemand mit viel schlechterer Sicht als ich immer längere Scharfsehphasen hat. Selbst wenn es nur eine Art Workaround des Gehirns sein sollte: Sobald die Scharfsicht von selbst kommt und nicht erst geschaffen werden muß, also sobald man den Blick dabei frei wandern lassen kann, ist es meiner Ansicht nach alltagstauglich.
Ob eine beständige Verbesserung bei mir eintritt, kann ich noch nicht genau sagen, da das eben immer auch sehr von der Lichtstärke abhängt. Ich meine allerdings mich zu erinnern, daß ich zu Beginn des Augentrainings auf der Sehtafel noch nicht so viele Zeilen spontan erkennen konnte.
Die Lichtstärkenabhängigkeit weist ja darauf hin, daß das Gehirn möglicherweise wirklich Lichtteile aussortiert. Ich kann aber gar nicht so genau sagen, ob man mit perfekter bzw. voll korrigierter Sicht nicht ebenfalls bei bewölkten Lichtverhältnissen mehr Probleme beim Erkennen sehr kleiner Umrisse hat als bei Sonnenschein. Das muß ich wohl mal bei Gelegenheit genau ausprobieren.

Benutzt Du eigentlich eine Rasterbrille? Ich kann mich nie so recht entscheiden, ob ich mit oder ohne Rasterbrille üben soll. Vielleicht ist die Kombination wichtig. Die Brille fordert vermutlich die gesamte Augenmuskulatur nicht unerheblich, außer den Ciliarmuskel, welcher ohne Brille gefordert werden müßte, da man mit der Brille ja scharf sieht.
Wenn es aber stimmt, daß sich dieser Muskel zum Nahfokussieren spannt (und das sehe ich mal als offensichtlich und leicht belegbar an), dann könnte man nicht mehr tun als zu versuchen, ihn völlig zu entspannen, was zu einem Fokus auf unendlich führt, aber nichts an der Fehlsichtigkeit durch den verformten Augapfel ändert.

Man könnte das ganze Augentraining also in zwei Bereiche aufteilen: physisches Training (der Versuch, die Augenmuskulatur zu trainieren, mit dem Ziel, Unflexibilitäten zu beheben und idealerweise den Augapfel rückzuformen) und psychisches Training (der Versuch, die physischen Fehler im Gehirn zu kompensieren).
Da stellte sich dann die Folgefrage, ob letzteres zu ersterem kontraproduktiv ist bzw. ihm immer hinterherhinkt. Beantworten kann das wohl nur längere Erfahrung mit den Übungen.
Wenn ich lese, daß Seminarteilnehmer von Angart(?) teilweise sogar weit über 100% Visus haben sollen, dann wüßte ich dazu gerne Details, besonders über mögliche Differenz von tatsächlichem und beim Arzt gemessenem Visus.
Nehmen wir mal an, jemand, der mal -7 Dioprien hatte, kann nach langem Training perfekt sehen, obwohl der Arzt noch einen gelängten Augapfel nachweist. Dann würde ich eine Untersuchung auf Nachtblindheit sehr interessant finden, bzw. erstmal vorher noch, ob diese Person auch nachts noch scharf sieht.

Zum Thema >100% Visus: Ich habe mal gelesen, mit Lasik konnte man manchmal das Auge gleichmäßiger gestalten als von Natur aus und die Patienten hatten dann quasi Adleraugen. Das ging dann also offenbar rein auf physischem Wege. Wenn ehemals Fehlsichtigen sowas durch Augentraining gelingt, dann müssen sie wohl von Natur aus schon so 'feine' Augen gehabt und in der Kindheit vor ihrer Fehlsichtigkeit diese 'Adlersicht' besessen haben.
Die Sache mit den Mikrobewegungen muß man dann wohl beiden Bereichen zuordnen. Was ich gelesen hatte, war, daß Astronauten in 400 km Höhe Schiffe auf den Ozeanen und Trucks in Australien erkennen konnten, was ihnen erst keiner glauben wollte, was dann aber damit erklärt wurde, daß die Mikrobewegungen in Schwerelosigkeit durch den fehlenden Reibwiderstand zehnmal so schnell ablaufen. Das muß man sich dann wohl so ähnlich wie eine Rekonstruktionssoftware vorstellen, die (mehr oder weniger gut) aus zerstreuten Bildinformationen auf ein scharfes, detailreiches Bild zurückrechnen kann.
Das würde eine interessante Sichtweise eröffnen, nämlich, daß ein verschwommenes Bild nicht detailarm ist, sondern eine Vielzahl an Detailinformationen enthält, die nur nicht dort sind, wo sie hingehören. :)
Das kann aber höchstens die halbe Miete sein, denn wenn ich mit einer Bildbearbeitung verschiedene Unscharfeffekte anwende und dann wieder scharfzeichne, bekomme ich nicht die Originalqualität. Eine gewisse Verfälschung ist ja immer da, zumindest sofern man Sicht- und Grafikunschärfe gleichsetzen will.
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Re: Neu und gleich tiefschürfende Überlegungen

Beitragvon Iman » 26.03.2008 16:25

Hardyg hat geschrieben:Hallo zusammen!

: Die Augenfangen sehr stark zu tränen an; manchmal aber nur ausschließlich ein Auge, so als ob eines versuchen würde, sich an die abweichende Fehlsichtigkeit des anderen Auges anzupassen. Das finde ich schon sehr interessent und ich denke, dieses Phänomen lohnt eine eingehende Untersuchung. Ich hatte erst vermutet, daß dies passiert, weil mir das Scharfstellen meist gut gelingt, wenn ich eine Weile nicht blinzele, aber manchmal geht das Tränen auch viel früher los, eben immer, wenn ich völlig scharf sehe.


das kenne ich zu gut! ich dachte zunächst ich wäre gerührt :lol: was aber nicht stimmt. dann dachte ich wie du, es läge daran dass ich meine Augen lange aufhalte. Im Gegenteil. Ich sehe ja am besten in den ersten Augenblicken, und da tränen die auch. Einerseits denke ich es könnte am Wind liegen, aber ich kann mir nicht erklären warum ich das nicht habe, wenn ich nicht "scharf stelle". meine Schwester meint, vllt entspannt sich ein Muskel der in der Nähe der Tränendrüse ist, und lässt das irgendwie deshalb aus. Das ist für mich das Naheligenste.

herzlich willkomemn und viel Erfolg :)
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Beitragvon Keakea » 26.03.2008 16:43

Hallo Iman

Ich denke genauso wie deine schwester. Seit ich das Buch von Huxley gelesen habe, achte ich sehr darauf, wie ich und meine augen sich draussen bei sonnenlicht verhalten. Huxley schreibt von der angst der menschen, die augen dem sonnenlicht auszusetzen und deshalb verkrampft man den blick. ich finde das selbe passiert bei mir mit dem wind. (sehr gut bei kühlem wind zu beobachten) Wenn ich also draussen so bin und mich im weichen blick übe, sprich loslassen, habe ich auch tränige augen und genau in diesen momenten sehe ich gestochen scharf. aber blinzeln muss man, und beim öffnen sehe ich unschärfer. Da ich aber wieder scharf sehen möchte, muss ich nach dem blinzeln sofort wieder "weich" sehen. Durch das entspannen beim weichen sehen, lasse ich also in der psyche zu, dass luft und licht an die augen kommt, was wiederum bei augen, die sich erst noch daran gewönen müssen, zu tränen führt.
Ich empfinde die tränen aber als sehr angenehm. zuerst war ich auch vorsichtig, weil ich nicht wollte, das etwas meine augen berührt (etwas=die luft, der wind)

hoffentlich habe ich verständlich genug geschrieben :)

viele grüsse
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Beitragvon Hardyg » 26.03.2008 18:34

Was noch nützlich sein könnte:
Welcher Mechanismus löst eigentlich bei Trauer das Weinen aus? Denn wenn bei der Scharfsicht meine Augen tränen und ich mich bemühe, diese Sicht beizubehalten, dann läuft auch meine Nase etwas, also so, als würde man aus Trauer weinen.
Und das ist ja nicht in allen Fällen so, oder? Wenn man nen Krümel oder sonst einen Fremdkörper im Auge hat, dann läuft ja nicht die Nase. Es muß also eher ein - vielleicht sogar auch psychischer - Belastungszustand wirken, der das Tränen auslöst. Oder es ist eine Art Muskelverspannung in der ganzen oberen Gesichtsregion.
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Beitragvon Keakea » 26.03.2008 18:50

Soweit ich weiss, gehen die Tränen den Tränenkanal runter und jener führt in die Nase. Dort fliesst sehr viel Blut welches wiederum Wärme erzeugt und die Tränen im Normalzustand verdunsten lassen. Wenn du allerdings weinst oder aus einem anderen Grund, z.B. fliege im auge oder so, ausserordentlich viele tränen produzierst, dann kann nicht mehr alles verdampfen, folglich läuft es in die nase :)

Ob aber tränen aus freude, trauer oder wegen fremdkörper anders zusammen gesetzt sind, und deshalb bei dir unterschiedlich "feucht" sind, keine ahnung :(
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Beitragvon Iman » 26.03.2008 20:50

Keakea hat geschrieben:Hallo Iman

Ich denke genauso wie deine schwester. Seit ich das Buch von Huxley gelesen habe, achte ich sehr darauf, wie ich und meine augen sich draussen bei sonnenlicht verhalten. Huxley schreibt von der angst der menschen, die augen dem sonnenlicht auszusetzen und deshalb verkrampft man den blick. ich finde das selbe passiert bei mir mit dem wind. (sehr gut bei kühlem wind zu beobachten) Wenn ich also draussen so bin und mich im weichen blick übe, sprich loslassen, habe ich auch tränige augen und genau in diesen momenten sehe ich gestochen scharf. aber blinzeln muss man, und beim öffnen sehe ich unschärfer. Da ich aber wieder scharf sehen möchte, muss ich nach dem blinzeln sofort wieder "weich" sehen. Durch das entspannen beim weichen sehen, lasse ich also in der psyche zu, dass luft und licht an die augen kommt, was wiederum bei augen, die sich erst noch daran gewönen müssen, zu tränen führt.
Ich empfinde die tränen aber als sehr angenehm. zuerst war ich auch vorsichtig, weil ich nicht wollte, das etwas meine augen berührt (etwas=die luft, der wind)

hoffentlich habe ich verständlich genug geschrieben :)

viele grüsse


ja du hast sehr verständlich beschrieben!! es ist genauuuu das was ich empfinde. Ich wollte versuchen es zu erklären, habe aber keine Worte gefunden..dieses "weich", es beschreibt soo gut mein Empfinden. Und das mit dem Sonnenlicht finde ich jetzt extrem interessant. Ich habe mich schon gewundert, was los ist. Ich merke schon seid einiger Zeit, dass meine Augen zu empfindlich für die Sonne zu sein scheinen. Was ich nicht verstanden habe, denn früher hatte ich das nicht. Ich habe auch bei starker Sonne nie
Sonnenbrillen getragen, weil alles für meine Augen ohne Anstrengung lief.
Auch als ich im Urlaub war(letzten Sommer), wo die Sonne viel stärker ist, habe ich das nicht gehabt. Wahrschinlich, weil ich vieeeeeel entspannter war. Ich ekele mich eigentlich vor kleinen Tierchen, Insekten usw. aber dort hat es mir nicht viel ausgemacht im Sand zu sitzen, obwohl ich einige kleine Dinger aus dem Sand kriechen sah. Und auch vereinzelte tote Quallen am Strand entlang, ließen mich nicht panisch werden 8)

wo hast du das Buch her? ist es günstig oder eher teuer? wie ist das reiosleistungsverhältnis? wenn du's irgendwo bestellt hast, sag ich gern, dass du das Buch u. den Verkäufer empfohlen hast :) wär schön, wenn du beim nächsten Kauf vllt Rabatt bekommen würdest.

LG
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Beitragvon Hardyg » 26.03.2008 22:44

@Keakea
Ne Danke, das war schon die Erklärung. Die Nase ist bei mir wirklich nur dann betroffen, wenn der Tränenfluß sehr stark ist.
Ich war mir gar nicht bewußt, daß der Tränenkanal im Nasenraum eine Öffnung hat.
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Beitragvon Keakea » 27.03.2008 11:42

@Iman

Das Buch heisst: Aldous Huxley, Die Kunst des Sehens, Piper Verlag

Ich habs aus einem internetshop und kostet um 9 €.
ca. 170S. Es wurde 1943 geschrieben und daher manchmal etwas schwer zu lesen :o Aber interessant, da er von seinen eigenen sehproblemen erzählt und heilmethoden beschreibt von denen ich noch nirgends gelesen habe.

gruss
Zuletzt geändert von Keakea am 27.03.2008 11:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Keakea » 27.03.2008 11:43

hm, Server erorr :?:
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Beitragvon Hardyg » 02.04.2008 16:33

Es ist schon etwas frustrierend. Diese Scharfsichtmomente treten unvorhersehbar auf und vershcwinden schnell wieder. Ich sehe das Straßenschild an und blinzele einfach so oft, bis es sehr scharf ist. Oft justiert das Auge sofort wieder unscharf, manchmal aber auch noch schärfer. Und dann hält das ein paar Sekunden an und danach klappts nicht mehr. So ist es schwer, einen Trainingseffekt zu erzielen.
Ich sag bescheid, wenns mir mal gelingen sollte, nen Klarsichteffekt ne halbe Minute oder so zu halten.
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