Psychologische Hypothesen über Fehlsichtigkeit

Akkomodieren, Fusionieren, Lichtbaden, Lichtblitzen, Palmieren, Visualisieren u.a.

Psychologische Hypothesen über Fehlsichtigkeit

Beitragvon Sina » 28.12.2012 10:46

Hallo zusammen, :)

Seit dem Sommer beschäftige ich mich nun mit meinen Augen, meinem Sehen und
allem was für mich daran hängt. Entsprechend bin ich aufmerksam darüber, was ich an anderen sehen kann und von ihnen über ihr Sehen erfahre. Und ich studiere das zusammengetragene Wissen dieses Forums.

Damit kommt in mir die Frage auf: warum und wie entsteht eigentlich die Fehlsichtigkeit? Diese Frage finde ich sinnvoll. Denn wenn ich die Ursache finden kann, warum ich die Fehlsichtigkeit hergestellt habe, ist es vielleicht leichter, mich auch wieder daraus zu lösen.

Ich möchte damit niemand zu nahe treten. Dass Belastungen in der Kindheit auftreten ist normal. Die ideale Kindheit habe ich noch nirgends entdecken können. Im Gegenteil empfinde ich die Entwicklung einer Fehlsichtigkeit als eleganten Kunstgriff der Seele, um in belastenden Situationen nicht krank werden zu müssen, sondern sich unbewusst gegen psychisch überfordernde Inhalte abzugrenzen.

Leute mit „perfekter Kindheit“ (soweit es die geben könnte) würden vermutlich auch nicht auf der Erde umherstolpern, sondern wüssten einen wesentlich angenehmeren Aufenthaltsort...

Daher möchte ich mal einige Übersichtshypothesen darüber aufstellen, warum und wie Menschen Fehlsichtigkeit entwickeln. So wie es sich mir bis jetzt darstellt.


1. Kurzsichtigkeit (vermutlich auch Astigmatismus und Schielen)


a. Entstehung – Kurzsichtigkeit (und Schielen) entstehen offenbar
überwiegend in den Entwicklungsjahren. Kurzsichtigkeit ist bei Naturvölkern ein nahezu unbekanntes Phänomen.


b. Der innere Auslöser – scheint ein unbewusstes Überforderungsgefühl zu
sein: „das ertrage ich nicht/das will ich nicht sehen“. Eine Angst, die
Anforderungen der Umgebung nicht so beantworten zu können, dass das
Kind (die/der Jugendliche) sich selbst und seine Person bewahren kann.
Konflikte: z.B. Machtlosigkeitsgefühle gegenüber Ungerechtigkeit.

Plakativ gesagt: Es stellt sich als eine Angst davor dar, das eigene Leben nicht entspannt und zur eigenen Zufriedenheit bewältigen zu können.


c. Äußere Anlässe – können sein: psychische Überlastungen der
Heranwachsenden in der Familie (z. B. bedrohlich empfundener Streit, Trennung/Scheidung der Eltern, Gewalt zwischen den Eltern oder dem Kind gegenüber, Erziehungskonflikte) – destruktive Umgangsmuster in den Beziehungszusammenhängen (Vorwürfe, Schuldzuweisungen, Entwertungen, Sündenbockrolle) - Stress in der Schule (Beschämung durch Lehrer, Hänseleien, Außenseiterrolle)


d. Problemlösung - Das psychische System ist überlastet durch die als
überfordernd erlebten Anforderungen aus der Umgebung. Auge und Gehirn
übernehmen eine unbewusste Schutzfunktion, indem sie das Zuviel an
Belastung aus der Umwelt ausblenden und in Unschärfe des
Sehens/Verschwommenheit/schemenhaftes Wahrnehmen/Nebel hüllen. Der
Gesichtskreis wird eingeschränkt, so dass möglichst nur solche Situationen
sichtbar/wahrnehmbar bleiben, die das Kind/der/die Jugendliche psychisch
bewältigen kann.

(Z.B. Bedrohlich empfundener Streit zwischen den Eltern  Das Kind bezieht sich auf seine Puppe / Auto / Bücher und spielt dort seine heile Kinderwelt. So als würde ich im TV bei einer Gewaltszene nicht mehr aufs Bild sehen, sondern auf mein Strickzeug, und damit den visuellen Kanal abschalten.)

Eine Möglichkeit fand ich auch, dass jemand unbewusst in der Kindheit in einer traumatischen Situation mit einem Auge das halbe Gesichtsfeld ausblendete, so dass mit beiden Augen nur insgesamt ein 3/4 Gesichtsfeld verblieb.

Da das Kind dann im Alltag und entspannten Situationen doch bewusst mehr sehen will, als Augen/Gehirn in ihrer chronifizierten Schutzfunktion zulassen, strengt es sich sehr an, fernere Dinge zu sehen, was zu vielen muskulären Verspannungen um Augen, Gesicht, Kopf, Schultern usw. führen kann. (Widerspruch zwischen dem unbewussten Schutz, der durch Augen/Gehirn eingerichtet wird und sich chronifiziert und dem Bewusstsein, das Dinge in der Ferne selbstbestimmt erkennen möchte.)


e. Behandlung - der/die Heranwachsende bekommt eine Brille. Die Brille
ermöglicht es, Wahrnehmungen auszublenden, die man nicht sehen möchte (s.
1 c). Sie ermöglicht, sich selektiv nur die Dinge aus der Entfernung
heranzuholen, auf die man sich konzentrieren möchte, die man bewusst wirklich
sehen möchte. Und damit ermöglicht sie ein unbewusstes Ausblenden des überfordernden Restes der Wahrnehmung. Die Brille engt das Gesichtsfeld ein und minimiert das periphere Sehen.

Frage: ist es nicht eine Folter für das Psychische System, mit Brille nun doch wieder die Dinge deutlich sehen zu können (z.B. Streit der Eltern), die doch ausgeblendet werden sollten? Oder schirmt die Brille auch noch genug Information ab, dass die Schutzfunktion des Nicht-Wahrnehmen-müssens erhalten bleibt? Oder wird deshalb die Brillenstärke immer höher?


f. Funktion - Wenn Auge/Gehirn alles klar sehen/erkennen/deuten würden, müsste sich das Psychische, emotionale und geistige System bewusst entscheiden, was es wahrnehmen will, was es ausblenden will, womit es sich beschäftigen will, und womit nicht. Es müsste eine Selektion/Auswahl treffen, wie es z. B. mit der Bedrohlichkeit durch den Streit der Eltern umgehen will und sich dabei mit Vertrauen und Selbstvertrauen selbst Halt geben will / z-B.: „so ein Streit geht vorbei und er kann unserer Familie nichts anhaben. Und wenn nicht, wird es einen anderen Weg geben, bei dem es uns auch gut gehen kann“. So ein inneres Vertrauen/ Selbstvertrauen ist dem Kind/Heranwachsenden zu dem Zeitpunkt der Entstehung der Kurzsichtigkeit aus irgendeinem Grund nicht möglich.


g. Schielen – Meine Überlegung: beim Schielen gehen beide Augen nach innen zur Nasenwurzel. Das hat den Effekt, dass die Augenlieder nach unten gezogen werden, und die Blickrichtung nach vorn abschotten. Bsp.: ein Kind will nicht sehen, dass die Mutter es böse anguckt und ihm Vorwürfe macht über etwas, von dem es nicht weiß, warum das falsch war. Es wird aufgefordert, die Mutter anzusehen. Aber es bleibt die Möglichkeit, die Augen wegzudrehen und somit die klare Sicht zu verhindern. - Ich fand auch die Möglichkeit, die Augen über Kreuz zu stellen: das re Augen guckt auf die li Seite des Gesichtsfeldes und umgekehrt. Das schafft außerhalb eines bestimmten Radius so etwas wie eine weiße Wand.


h. Zu Astigmatismus fällt mir nicht viel ein. Möglicherweise entsteht durch die Anstrengung, trotz Kurzsichtigkeit mehr sehen zu wollen, als die Augen hergeben, eine muskuläre Dauerspannung um Augen, Gesicht, Kopf usw., weil der/die Heranwachsende trotz Kurzsichtigkeit doch noch etwas genauer erkennen will. Damit wird die Augenmuskulatur durch diverse Gesichtsverspannungen in unterschiedliche Richtungen gezogen, und so dass der Seheindruck verzerrt wird. Und die Schärfe der Wahrnehmung damit auch abgemildert wird.


i. Ursache – Warum das psychische System die Lösung über Auge und Gehirn sucht, hängt vermutlich von unterschiedlichen Bedingungen ab: genetisch, Problemlösemechanismen der Familie…


Denkbar wären ja auch andere psychische Lösungsmöglichkeiten, um Teile der Wahrnehmung auszublenden: Verhaltensstörung, Flucht auf die Traumebene, Neurose, Persönlichkeitsstörung, Trauma, körperliche Krankheit, Schwerhörigkeit…


Wer es geschafft hat, die Belastungen der Kindheit und des Beginns des Erwachsenenalters ohne Fehlsichtigkeit zu überstehen, ist allerdings noch lange
nicht aus dem Schneider. Auch wer bis dahin gute bzw. sehr gute Augen hatte, kann später noch eine Fehlsichtigkeit entwickeln.

Es besteht durchaus auch noch die Möglichkeit, dass das Schicksal später zuschlägt und sie/ihn beutelt, indem Schicksalsschläge die Abwehr überwältigen, und er/sie dann eine Weitsichtigkeit entwickelt. Hierzu meine Überlegungen:


2. Weitsichtigkeit


a. Entstehung – Weitsichtigkeit entsteht vorwiegend in den fortgeschrittenen Jahren.


b. innerer Auslöser – scheint ein unbewusstes Gefühl des Zuviel an Belastung
im weiteren Verlauf des Lebens zu sein: „mir reicht´s, es macht keinen Spaß mehr, das will ich nicht sehen, das kenne ich alles schon, das wird mir zu viel, so genau will ich das gar nicht mehr wissen“ – oder auch: „das ertrage ich nicht, das ist das Schlimmste was mir je passieren konnte, das halte ich nicht aus, so kann ich nicht leben, wer bin ich überhaupt noch“ – oder auch: „das will ich nicht wissen, das ist mir zu viel, so viel Elend in der Welt nah und fern, und dem gegenüber so machtlos zu sein, ertrage ich nicht“

Plakativ gesagt: Die Weitsichtigkeit stellt sich vielleicht als eine Angst davor dar, dem Ende des eigenen Lebens entgegen zu gehen und einen Sinn darin zu finden.

Die äußeren Anforderungen sind zurückgegangen, und nun wäre die Motivierung von innen heraus angesagt, sowie die Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit und dem Sinn des eigenen Lebens: wer man eigentlich ist, und wozu man hier herum gelaufen ist. Und ob das nicht auch jeder andere genauso hätte machen können, bzw. was ist eigentlich das Eigne, Einzigartige, das niemand anders so hätte in die Welt bringen können?


c. äußerer Anlass – verschiedene Verluste, die mit dem Älterwerden
einhergehen, setzen ein: - die Kinder sind aus dem Haus, nur noch selten da - beruflich (Frustration durch unbefriedigende Arbeitsbedingungen; der Zenit ist überschritten; das Motiv schwindet, sich in etwas reinzuknien; Burnout; Verlust der Arbeit) - Körper (jugendliche Schönheit schwindet, Kräfte gehen zurück, Verlass auf den Körper schwindet, Krankheitsserien treten auf, Krebsbehandlung durch Chemo) - Partnerschaft/Beziehungen (Unzufriedenheit, Konflikte, Trennung/ Scheidung; katastrophaler Verlust von geliebten Menschen durch Tod; Rückzug; Einsamkeit) - Lebenssinn (Angst vor dem Abbau auf verschiedenen Gebieten; Enttäuschung was man im Leben erreichen konnte, was nicht; der eigene Tod rückt näher und damit die unbewusste Angst, dieses wahrzunehmen, sich damit auseinander zu setzen) – Konflikte (Informationsflut, traumatische Nachrichten von Gewalt und Ungerechtigkeit aus aller Welt und Machtlosigkeitsgefühle dem gegenüber).


d. Problemlösung – Das psychische System ist überlastet durch die als
überfordernd erlebten Anforderungen des Lebens und den eigenen, als
unzureichend erlebten, Umgang damit. Auge und Gehirn übernehmen eine
unbewusste Schutzfunktion. Sie blenden das Zuviel an Belastung aus, indem
sie das Nahe undeutlich machen (Schrift/Information, Feinarbeit, z. B.
Nähen). Der Blick wird zerstreut, ungenau, global, interessiert sich nicht
mehr für die Details, für das Hier und Jetzt. Er schweift in die Ferne, in die
Vergangenheit, nach innen.
Wie schon Konfuzius sagte: man stolpert nur über Steine nicht über Berge.


e. Behandlung – der/die im Lebensalter Fortgeschrittene bekommt eine
Lesebrille. Die Lesebrille ermöglicht es, Wahrnehmungen auszublenden, die
man nicht sehen möchte (s. 2 c). Sie ermöglicht, sich selektiv nur die Dinge
aus der Nähe genauer anzusehen, auf die man sich bewusst konzentrieren möchte, die man wirklich wissen will. Und damit ermöglicht sie ein leichteres Ausblenden des unerwünschten Restes der Wahrnehmung in der näheren Umgebung.


f. Funktion – Ohne die Lesebrille gibt es mit Weitsichtigkeit verschiedene Möglichkeiten, die Augen zu richten:

- Gleichgültiger Streublick: starr nach vorn gerichtete leere Augen, die alles sehen, wobei das Gehirn nichts davon wirklich wissen will. Etwa wie erschöpfte Kriegsheimkehrer, die nur noch Schritt vor Schritt setzen, und nichts mehr aufnehmen können, weil sie schon zu viel gesehen haben.

- Durch die Undifferenziertheit des Blickes erscheint die Welt immer gleich, so als würde sich außen nie etwas verändern. Anregungen von außen werden nicht aufgenommen und das System erstarrt nach und nach. Man sieht alt aus.
Rilke „Der Tiger“: „Sein Blick ist vom Vorüberziehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält,
es ist als ob es tausend Stäbe gäbe,
und hinter tausend Stäben keine Welt….

- Hängender Glotzblick: mit hängendem Kopf nach vorn gerichteter passiv gestellter Blick, der quasi durch die sichtbare Welt hindurch nach irgendwo hinten guckt, ohne etwas im Hier und Jetzt wirklich wahrzunehmen. Vermutlich ein Blick in die Vergangenheit mit Hadern, Zweifel, Selbstvorwürfen. - Oder in die Zukunft mit hoffnungsloser, pessimistischer Perspektive.

- Geschlossene Augen/Blick nach innen, wegträumen nach nirgendwo, sich aus dem Hier und Jetzt davon stehlen in eine andere/bessere? Welt..

- Symbolisch: darüber hinwegsehen - das Hier und Jetzt nicht mehr so streng beurteilen; evtl. Altersweisheit, d h. möglicherweise, sich nicht mehr über so viele Kleinigkeiten aufregen.


g. Weitsichtigkeit im frühen Kindesalter – dazu habe ich keine Erfahrungen. Möglicherweise ist es ein vorkommendes Phänomen, das keine weiteren psychischen Belastungen anzeigt, sondern einfach nur einen möglichen Weg, bis Kinder sich auf die normale Sichtigkeit einstellen können.


j. Ursache – vermutlich analog 1 i. Warum das psychische System die Lösung über Auge und Gehirn sucht, hängt vermutlich von unterschiedlichen Bedingungen ab: genetisch, Problemlösemechanismen der Familie…


Denkbar wären ja auch andere psychische Lösungsmöglichkeiten, um mit den unbewussten Ängsten und/oder Überdruss umzugehen: Midlivekrise, neues Haus, neue Familie, neues Kind; Reisen, Kreativität; Bewusstseins- erweiternde Kurse (Yoga, Fitness, Wellness, Selbsterfahrung u. ä.) oder auch Reha/Klinik, Schwerhörigkeit, Depression, Suizid.


Was ich ausdrücken möchte ist nicht, dass Fehlsichtigkeit eine Krankheit ist, sondern dass es eine Schutzfunktion ist, die Augen/Gehirn in überlastenden Situationen einnehmen und chronifizieren, wenn ich sie mir nicht bewusst mache.

So wie die Verdrängung, die auch eine notwendige Funktion unserer Struktur ist, weil wir nicht alles Wissen in der Welt gleichzeitig verkraften.

Und meine Überlegung ist, dass die Bewusstheit darüber mir helfen kann, zu verstehen, warum ich diese Schutzfunktion eingenommen habe. Und dass mir das helfen könnte, die Fehlsichtigkeit aufzulösen.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir Rückmeldung geben würdest, ob euch etwas davon bekannt vorkommt, und ob ihr euch eine Wahrnehmung der Ursachen als hilfreich vorstellen könnt, die jetzige Fehlsichtigkeit aufzulösen.

Auch Korrektur fände ich hilfreich, ob ich etwas völlig falsch wahrnehme.


Liebe Grüße

Sina :)
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Psychologische Hypothesen über Fehlsichtigkeit

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Beitragvon NinaBerger » 28.12.2012 19:34

Wenn das so wäre, müssten nahezu 100% aller Leute eine Brille tragen.
Ich erinnere mich aus meiner Kindheit an den Satz "Guck mich nicht so an!"
Ich glaube, damals habe ich zu viel (und das auch noch scharf) gesehen.
Jetzt gehe ich in meinen Affirmationen wieder davon (von der Idee, ich könne Leute zu scharf angucken) weg, z.B. mit "Ich sehe die Welt mit ganz neuen Augen" und "Alle Zellen meines Körpers sind gesund und glücklich".
Nach wie vor habe ich bei Dämmerlicht so eine Phase, in der ich meine letzte Dioptrie merke, aber bei klarem Wetter ist das Sehvermögen schon wirklich gut, und nachts überraschenderweise auch, nur in der Übergangsphase nicht.
Ich denke, die psychische Disposition ist für die Ausbildung des Brechungsfehlers - und für dessen Heilung - sehr wichtig.

Grüße Nina
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Beitragvon chris1 » 28.12.2012 22:01

NinaBerger hat geschrieben:Wenn das so wäre, müssten nahezu 100% aller Leute eine Brille tragen.


Wenn man alle Leute zum Optiker schicken würde, würden wahrscheinlich auch 90 % eine Brille kriegen..... Oder Kontaktlinsen.

Naja, Sina schreibt ja auch, dass es verschiedene Strategien gibt auf Stress zu reagieren. Es reagiert beileibe nicht jeder mit den Augen. Ich hab mir heute erst gedacht, wenn ich in der Familie meines Mannes aufgewachsen wäre, wäre ich wohl schwerhörig geworden.

Viele Autoren von Augentrainings-Büchern haben Ideen in dieser Richtung (ich hab ja genug davon gelesen). Es gibt da unter anderem einen kurzsichtigen und einen weitsichtigen Charakter. Da mein Mann ziemlich weitsichtig ist und ich ziemlich kurzsichtig war, kann ich diese Thesen schon bestätigen. Natürlich kann es auch umgekehrt sein, dass man durch die Kurz- bzw. Weitsichtigkeit in seinem Verhalten geprägt wird.

Ich habe meine eigenen Thesen bezüglich psychologischer Hintergründe in diesem Forum bisher verschwiegen, weil ich irgendwie den Eindruck hatte, dass das nicht der richtige Platz ist. (Ich hab mich diesbezüglich in anderen Foren ausgelassen, die sich mit Augen nicht so auskennen) Hier suchte ich erstmals fachlich-technischen Rat, was allerdings bei meinen Rand-Problemen auch nicht so einfach ist.

Ich habe beispielsweise die These, dass das linke Auge eher für die Gefühls-Ebene zuständig ist, durch die dreiwöchige Phase zwischen meinen Augen-Operationen bestätigt gefunden. Ich habe damals entgegen meiner sonstigen Angewohnheit mehr mit dem linken Auge geschaut als mit dem rechten (weil das linke vorübergehend besser war) und ich habe mich eindeutig anders gefühlt. Ich war viel emotionaler als sonst - und das hat sich schlagartig geändert, als das zweite Auge ebenfalls operiert wurde und nach alter Gewohnheit wieder die Vorherrschaft übernahme. Und mit ihm mein übliches rationales Denken.

Ich bin jedenfalls gespannt, ob sich das mit dem Nachstar, der sich seltsamerweise auf dem rechten Auge entwickelt und ich wieder vermehrt auf das linke zurückgreifen werde, auch wieder so entwickelt.

Und ich kann auch sagen, dass ich, seit ich vermehrt mit beiden Augen gleichzeitig schaue, ich mich auch anders FÜHLE.

Und wenn das so ist, dass die Veränderung des Gebrauchs der Augen sich auf die Gefühlslage auswirkt, geht es ganz sicher auch umgekehrt.

Liebe Grüße
Chris
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Schlüsselsatz

Beitragvon Sina » 29.12.2012 12:54

NinaBerger hat geschrieben:Ich erinnere mich aus meiner Kindheit an den Satz "Guck mich nicht so an!"


Hallo Nina,

da bringst du ein gutes Beispiel: so habe ich das auch erlebt: meine Mutter wollte nicht, dass ich sie angucke oder etwas in Frage stelle, was sie ausdrückt. Als überlebende Halbjüdin in Berlin im 2. Weltkrieg (sie war zu Kriegsbeginn 27 Jahre alt und eine hübsche junger Frau, die sich vor unerwünschten Nachstellungen in Acht nehmen musste) war es für sie überlebenswichtig, sich unsichtbar machen zu können und alles beiseite zu drängen, was nicht überlebenswichtig war.

Leider hat sie sich bei ihren Kindern nicht mehr umstellen können und ihr Misstrauen beibehalten. Ich habe zwar immer gut gucken können bis zu meiner Weitsichtigkeit mit 51 Jahren. Aber ich habe dafür ein unbewusstes Guck- und Frageverbot entwickelt. So hat die Seele bei mir einen anderen Weg gefunden, „nicht zu sehen“. Noch heute muss ich mich innerlich aufraffen, um Menschen anzusehen, wenn sie mit mir sprechen, um mitzubekommen, wie sie mir gegenüber eingestellt sind. Und ich habe viel psychische Arbeit da reingesteckt, um an diesem Punkt ankommen zu können.

NinaBerger hat geschrieben:Ich glaube, damals habe ich zu viel (und das auch noch scharf) gesehen.

Was meinst du damit? :?:


Grüße Sina
Zuletzt geändert von Sina am 10.01.2013 14:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Psychologische Hypothesen über Fehlsichtigkeit

Beitragvon Darem » 29.12.2012 13:12

Sina hat geschrieben:Denkbar wären ja auch andere psychische Lösungsmöglichkeiten, um mit den unbewussten Ängsten und/oder Überdruss umzugehen: Midlivekrise, neues Haus, neue Familie, neues Kind; Reisen, Kreativität; Bewusstseins- erweiternde Kurse (Yoga, Fitness, Wellness, Selbsterfahrung u. ä.) oder auch Reha/Klinik, Schwerhörigkeit, Depression, Suizid.

Was ich ausdrücken möchte ist nicht, dass Fehlsichtigkeit eine Krankheit ist, sondern dass es eine Schutzfunktion ist, die Augen/Gehirn in überlastenden Situationen einnehmen und chronifizieren, wenn ich sie mir nicht bewusst mache.

So wie die Verdrängung, die auch eine notwendige Funktion unserer Struktur ist, weil wir nicht alles Wissen in der Welt gleichzeitig verkraften.



Ich kann deinen fleißig erstellten Hypothesen nur zustimmen. Es ist großartig, dass du das alles so zusammengetragen hast, übersichtlich dargestellt und nachvollziehbar erklärt hast.

Allerdings wird die psychologische Seite wohl in den wenigsten Fällen allein der Auslöser sein. Meistens spielen doch etliche Faktoren zusammen, wobei es nahezu unmöglich ist all diese zu finden.

Deine Lösungsmöglichkeiten sind wohl solche, wie sie oft genannt werden. Aber ein neues Haus, eine neue Familie - das hört sich jetzt wunderbar an: Ich ziehe um, gründe eine neue Familie und bin dadurch gesund. Ich denke das klingt eher nach Verdrängung und somit (in einigen Fällen) noch tieferen psy. und phy. Problemen. Viel entscheidener hierbei finde ich die Lebenseinstellung. Schon Marc Aurel sagte: “Unser Leben ist das Produkt unserer Gedanken.” Der erste Schritt zur Besserung (also auch der Anfang der Lösungsmöglichkeiten) ist die Lebenseinstellung. Völlige Gesundheit wird dadurch aber auch nicht jeder erhalten bzw. vollkommen klares Sehen. Zu vielseitig sind Körper, Geist und Seele, um damit ein Volksheilmittel zu geben. Suizid und Depression sind eher Bewältigungsmethoden (sehr fragwürdige) als Lösungsmöglichkeiten.
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Beitragvon NinaBerger » 29.12.2012 13:23

Ich meine damit, dass ich viele Sachen gesehen und durchschaut habe, die mir verbesserungsbedürftig erschienen. Und ich hatte den Ehrgeiz, das, was ich als verbesserungsbedürftig erkannte, auch zu verändern.
Das gab viel Ärger.
Für mich war es ein Schutz, diese Sachen "weniger zu sehen".
Ich denke, wenn ich ohne Brille hätte gehen dürfen (und was der Augenarzt sagte, wurde so gemacht, bei meiner ersten Brille war ich 11) und nachts hätte gehen dürfen, wäre ich nicht bis -6/-7 Dpt gekommen.
Tags wurden 1) meine Ekzeme angeglotzt (und Bemerkungen gemacht, als wäre ich nicht da, also von mir in meiner Gegenwart in der dritten Person gesprochen) und 2) ich sah mehr, als ich verkraften konnte. Daher hätte ich nachts unterwegs sein wollen, das wäre ausgewogener gewesen.

Grüße Nina
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Emotionales Gift (unbewusst) von Anfang an

Beitragvon Sina » 29.12.2012 14:01

chris1 hat geschrieben:Ich habe meine eigenen Thesen bezüglich psychologischer Hintergründe in diesem Forum bisher verschwiegen, weil ich irgendwie den Eindruck hatte, dass das nicht der richtige Platz ist.


Hallo Chris,

das finde ich sehr schade, weil Sehen sehr viel mit der Psyche zu tun hat.

Wir nehmen ja die Welt von Anfang an mit einem Löwenanteil Sehen in uns auf. So sind doch auch alle unsere Erfahrungen mit dem Sehen verknüpft (sofern wir nicht blind geboren sind). Die Augen sind das Fenster unserer Seele, zu dem wir die Außeneindrücke hereinlassen.
Natürlich spielen die anderen Sinne auch ihre Rolle (riechen, als der älteste und tasten/spüren als die ersten Sinne), mit denen das Neugeborene seine Welt aufnimmt und spürt, ob es hier wohlgeborgen und unbelastet warm ist (was wir hier auf Erden vermutlich nie in Reinforrn vorfinden werden. Ich halte es für ein Ideal, das wir natürlich gern anstreben, das aber, so wie Ideale halt sind, nicht wirklich erreichbar ist.).

Oder ob das Neugeborene in eine (emotional) belastete Situation kommt, weil die Eltern und/oder anderen nahen Personen selbst belastet sind, und nicht so viel Wärme geben können, wie sie gern würden, weil sie selbst zu wenig übrig haben.

Es gibt eine Reihe Forschungen dazu, wie sich in der Säuglingsentwicklung das Sehen entwickelt. Zuerst soll das Neugeborene die Augen der Pflegeperson klar und deutlich wahrnehmen. Und es wird sehr genau sehen und damit auch fühlen, ob die Augen Freude, Liebe und Stolz auf das Kind ausdrücken. Oder ob aus den Augen der kriegstraumatisierten Eltern (auch in der 2., 3. oder 4. Generation, wenn auch mit neuen gesellschaftlichen Strömungen abgewandelt) noch unbewusste Ängste aus Kriegserlebnissen, ob in der Heimat, auf der Flucht oder im Kampfgeschehen selbst rüberfließen.

Denn ein Neugeborenes und Kleinkind ist emotional „hautlos“: es nimmt die Spannungen der nahen Personen unmittelbar auf. In deren Augen steckt das ganze Leben, alle unbewussten Ängste und Probleme. Nicht nur die eigenen, sondern auch die der Welt, die wir gesehen haben.

Ja, wir saugen die Ängste und Probleme mit der Muttermilch und dem Augenkontakt unmittelbar auf. Bzw. nehmen wir das ganze Gefühlschaos auf, das in unseren Eltern wühlt, und das sie unbewusst ausdrücken. Und selbst wenn die Eltern Freude und Liebe zu dem Kind empfinden, so gibt es dahinter trotzdem noch ihre unbewussten eigenen Probleme und Ängste, die mit im Blick liegen und (sozusagen huckepack) zum Kind rüberkommen.

Und auch, wenn der Krieg schon fast 50 Jahre und damit 2 bis 3 Generationen zurückliegt, so fließen immer noch Teile des „emotionalen Giftes“, wie Reich es sagte, in der Gesellschaft weiter: Die Menschenverachtung des Nazireiches (Hass, Feinddenken), Entwertungen (Miesmachen und/oder Bekämpfen, was anders ist), Vernichtung (Demontierung des Selbstbewusstseins v. a.), Sündenbockmechanismen (hänseln, Mobbing).

Das alles gab es auch schon vor den Kriegen. Aber der 2. Weltkrieg hat diese Mechanismen noch mal besonders perfektioniert als „deutsche Wertarbeit“.
Naja, soweit erst mal.

Liebe Grüße

Sina :)
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Beitragvon Darem » 29.12.2012 17:37

Da hier gerade das Thema Neugeborene angesprochen wird. Einige Zeit nach der Geburt sind wahrscheinlich psychische Faktoren auf die Sehfähigkeit bezogen nur schwer zu erklären. Ich bin zwar noch kein Student, habe aber in einer Psychologievorlesung gehört, dass Neugeborene nur ein sehr schwaches Sehvermögen haben und nur auf etwa 30cm Distanz (oder ähnliche Werte) gut sehen können. Daher nehmen Eltern instinktiv das Neugeborene näher zum Gesicht heran, damit es das Gesicht erkennen kann. :D
(Mir fällt gerade ein, dass doch stets behauptet wird, jeder komme mit vollem Sehvemrögen zur Welt --> das ist dann natürlich absoluter Schwachsinn...)
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Beitragvon Flo » 29.12.2012 18:12

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Konfliktlösungsmöglichkeiten - neutral betrachtet

Beitragvon Sina » 29.12.2012 20:12

Darem hat geschrieben:Allerdings wird die psychologische Seite wohl in den wenigsten Fällen allein der Auslöser sein.


Hallo Darem,

da stimme ich dir zu. Es gibt sicherlich vielerlei Ursachen. Und in meinem Beitrag möchte ich einfach mal auf eine Seite hinweisen, die hier noch kaum angesprochen worden ist. Mein Anliegen ist, die psychische Seite auch mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Was die Lösungsmöglichkeiten betrifft, wollte ich auch nicht in „gute“ oder „schlechte“ differenzieren. Es sind einfach menschliche Konfliktlösungsmöglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, so wie auch die Fehlsichtigkeit eine Konfliktlösungsmöglichkeit ist. Und ich möchte einfach mal die psychologische Seite der Fehlsichtigkeit beleuchten.

So wie meine Seele die Wahl hatte: Wenn ich als kleines Kind in meiner wichtigsten Beziehung mein Gegenüber nicht (fragend, kritisch, zweifelnd, widersprechend) angucken durfte, konnte ich entweder eine Kurzsichtigkeit entwickeln oder, was ich offensichtlich unbewusst tat: Ein Selbstverbot einsetzen, d.h. die Schere wurde im Gehirn eingesetzt, nicht in den Augen („Ich darf meine Gegenüber nicht angucken“ war die Schlussfolgerung, die das kleine Kind, das ich damals war, sich mehr oder weniger unbewusst gewählt hat).

Beides finde ich weder gut noch schlecht, sondern einfach eine Konfliktlösungsmöglichkeit. Und ich wählte die, die in mein psychisches System passte.

Und seit ich mich damit beschäftigt habe, habe ich sehr viele verschiedene psychologische Konflikte auch bei anderen Menschen gefunden, die mit einer Fehlsichtigkeit beantwortet wurden. Das finde ich sehr spannend. Wie gesagt: es geht mir nicht um gut oder schlecht, sondern ich finde es spannend, wie kreativ die Seele ist, um Konflikte zu lösen, die sonst zu dem Zeitpunkt für den Menschen zu überfordernd wären.

Viele Grüße
Sina :)
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Beitragvon chris1 » 30.12.2012 00:05

Hallo Sina,

ich habe diese "andere" Komponente meiner Fehlsichtigkeit nicht grundsätzlich ausgeblendet, sondern hier in diesem Forum. Und natürlich auch bei meinem Visualtrainer, weil ich nicht für meschugge gehalten werden möchte.

Aber schön langsam tut mir das Leid, weil wahrscheinlich dabei etwas auf der Strecke bleibt. Und die Sache mit der emotionalen und der rationalen Wahrnehmung durch linkes und rechtes Auge hätte ich wahrscheinlich auch meinem Visualtrainer sagen können - einfach weil ich es so sicher verspürt habe. Es geht dabei wohl um das Zutrauen zur eigenen Wahrnehmung.

Ja, und ich bin auch froh, dass in diesem Forum jetzt einmal drauf hingeschaut wird. Bei mir, bei der sich das Ganze in sehr sehr früher Kindheit entwickelt hat, kann diesem allem wohl eine besondere Bedeutung gegeben werden.

Ich bin in meiner Kleinkindzeit auf erhöhten Augendruck behandelt worden - und wohl auch deswegen nicht schieloperiert worden, weil man kein Glaukom riskieren wollte. Und ich kann mich direkt an dieses Gefühl des Druckes in meinen Augen erinnern (ich habe ja keine Ahnung, ob man so etwas normal spürt) und ich hab mich in meiner Kindheit häufig gestresst gefühlt. In meinem Falle überhaupt nicht durch die Schule (da ist meine Fehlsichtigkeit nicht mehr so gestiegen), da war ich gut, sondern irgendwie war in meiner Familie Stress. Es gab keine Gewalt oder sonst etwas, da war einfach nur viel zuviel Arbeit und zuviele kleine Kinder (wir waren vier innerhalb von fünf Jahren). Vielleicht hab ich da etwas übernommen von meiner Mutter, die hatte ja eigentlich den ganzen Stress.

So, da sind wir schon bei dem Grund, warum ich bisher nicht geschrieben habe. Ich kann so etwas nicht theoretisch, ich kann so etwas nur mit eigenen praktischen Erfahrungen, die sehr persönlich sind. Und das hier ist ein ziemlich öffentliches Forum.

Das mit den unbewußten oder vererbten Kriegserinnerungen glaube ich auch. Ich habe als Kind viel vom Krieg geträumt. Meine Mutter, der ich das erst unlängst erzählt habe, war ganz erstaunt und hat gemeint, die Männer, die im Krieg waren, haben neben den Kindern nie vom Krieg erzählt. Aber wohl wird gerade das, was verschwiegen wird oder wo die Kinder Bruchstücke aufschnappen und sich einen Reim darauf machen, oft zu einer großen Last.

Wenn man sich vor Augen führt, dass diese Blockaden der Augen in dieser Zeit sinnvolle Konfliktlösungsmöglichkeiten waren, kann man vielleicht auch in einem nächsten Schritt sich bewusst machen, dass man heutzutage als erwachsener Mensch andere Lösungen zur Verfügung hat.

Aber natürlich kann das alleine nicht die vollständige Heilung bringen - evtl. in ganz seltenen Ausnahmefällen. Aber es kann wahrscheinlich begleitend zu den ganzen Augenübungen hier hilfreich sein.

Zu den Sprüchen: Schau mich nicht so an! gab es dann auch noch den Spruch: SCHAU mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede! Da wollte wohl auch auf die Gefühle der Kinder Einfluss genommen werden.

Liebe Grüße
Chris
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Was tun mit dem, was ich sehe?

Beitragvon Sina » 30.12.2012 01:40

NinaBerger hat geschrieben:Tags wurden 1) meine Ekzeme angeglotzt (und Bemerkungen gemacht, als wäre ich nicht da, also von mir in meiner Gegenwart in der dritten Person gesprochen) und 2) ich sah mehr, als ich verkraften konnte. Daher hätte ich nachts unterwegs sein wollen, das wäre ausgewogener gewesen.


Hallo Nina,
das muss sehr schwer gewesen sein, sich gegen solche Gehässigkeit zu bewahren. Und ich finde es toll, dass du es inzwischen geschafft hast, von so hohen Dioptrien zu so einer guten Sicht gelangt zu sein. Meinen Glückwunsch!

Wäre interessant, warum grade das Dämmerlicht dich noch an deine Sehproblematik erinnert, wo es dir doch früher als die Lösung erschienen wäre, nachts unterwegs sein zu dürfen.

Du schriebst auch:
"Ich meine damit, dass ich viele Sachen gesehen und durchschaut habe, die mir verbesserungsbedürftig erschienen. Und ich hatte den Ehrgeiz, das, was ich als verbesserungsbedürftig erkannte, auch zu verändern.
Das gab viel Ärger.
Für mich war es ein Schutz, diese Sachen "weniger zu sehen". "


Den Konflikt kenne ich. Ich konnte mit meiner Kritik bei meiner Mutter nicht landen. Ich weiß, dass ich viel Wut und Hass in mein Tagebuch geschrieben habe. Ich glaube, meine Konfliktlösung zu diesem Problem damals war, gar keine eigene Meinung zu haben und gar nicht zu wissen, wie es „richtig“ ist.

Erst später fand ich heraus, dass ich sehr wohl eine eigene Meinung habe und finde, dass ich vieles besser weiß und kann als andere, die es grade machen.

Und es war dann ein hartes Stück Arbeit, zu lernen, d. a. ihre eigenen Wege gehen zu lassen und auszuhalten, dass sie meiner Meinung nach die Dinge so unvollkommen tun.

Und mich lieber darum zu kümmern, dass ich meine Sachen so mache, wie ich sie gut und richtig finde.

Viele Grüße

Sina :)
Zuletzt geändert von Sina am 12.01.2013 01:32, insgesamt 1-mal geändert.
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Trauma und Schlüsselsatz

Beitragvon Sina » 30.12.2012 13:47

chris1 hat geschrieben: Ich habe beispielsweise die These, dass das linke Auge eher für die Gefühls-Ebene zuständig ist, durch die dreiwöchige Phase zwischen meinen Augen-Operationen bestätigt gefunden. Ich habe damals entgegen meiner sonstigen Angewohnheit mehr mit dem linken Auge geschaut als mit dem rechten (weil das linke vorübergehend besser war) und ich habe mich eindeutig anders gefühlt. Ich war viel emotionaler als sonst - und das hat sich schlagartig geändert, als das zweite Auge ebenfalls operiert wurde und nach alter Gewohnheit wieder die Vorherrschaft übernahme. Und mit ihm mein übliches rationales Denken.


Hallo Chris, :)

ich habe jetzt mal deinen Thread durchgelesen. Mir gefällt, wie du dich sorgfältig und anhand deiner konkreten Erfahrungen von Stufe zu Stufe bringst, und dich von außen nicht verunsichern lässt.

Bei dir geht es viel um das Schielen. Damit habe ich selbst keine Erfahrungen. Ich bin dabei, meine Weitsichtigkeit aufzulösen, wie du in meinen Threads sehen kannst, wenn du willst.

Du schreibst auch, dass du jeweils nur mit einem Auge guckst. Das finde ich total spannend. Ich könnte mir vorstellen, und du schilderst es ja auch so, dass dann für dich die Welt auch jeweils ganz anders aussieht, und die jeweiligen Situationen sich auch ganz anders anfühlen, wenn du mit dem linken Auge guckst, als wenn du mit dem rechten Auge guckst.

Du schreibst auch von dem Satz

"SCHAU mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede!"

Ich glaube, dass solche Sätze Schlüsselsätze sind.

Dazu fällt mir eine Frau ein, die mir erzählte, dass ein Nachbarjunge sie (Grundschulzeit) oft wegen ihrer Brille mit Faxen gedemütigt hatte, die er ihr direkt ins Gesicht „warf“, sozusagen von Augen zu Augen. Sie hatte sich unbewusst dagegen gewehrt, indem sie die Augen schielend nach innen stellte. So musste sie seine Faxen nicht sehen.

Ich finde es immer wieder faszinierend, welche Wege die Seele geht, um in der Situation, in der das bewusste, handelnde Ich sich überfordert fühlt, das bewusste Ich zu schützen und zu bewahren

Dieser von dir erwähnte (Schlüssel-) Satz brachte ja das Mädchen, das du damals warst, in eine fast unausweichliche Lage. Wie zu sehen, hat sie doch ein Ausweichen gefunden.

Die Frage wäre, welchen Ich-Satz das Mädchen von damals gern zu der anherrschenden Person gesagt hätte (anstatt sich mit der Augenstellung zu retten).

Wenn ich mal fantasiere, könnte es in etwa so ein Ich-Satz gewesen sein:

„Ich will dich nicht ansehen, wenn du mich so böse anguckst und sprichst. Das erschreckt mich und ich bekomme Angst vor dir.“

Vielleicht war dahinter auch noch das Gefühl: ich finde dein Schimpfen jetzt total ungerecht, denn …“

So war es für das Mädchen, das du damals warst, möglicherweise einfacher, nur mit dem rechten Auge zu gucken und das linke auszublenden, um die belastende Situation besser zu überstehen.
Indem sie nur mit dem rechten Auge guckte, konnte sie den emotionalen Konflikt beiseitelassen.
Nur rational mit der belastenden Situation umzugehen, hätte vielleicht bedeutet, die aufgeladene Situation zu deseskalieren und „mit heiler Haut“ davon zu kommen.

Allerdings verbleiben dann die belastenden Emotionen, die zu dieser Konfliktsituation gehören, unverarbeitet.

Dafür hat die Seele einen Raum, in dem sie die zur psychisch überfordernden Belastungssituation gehörigen Emotionen parkt. die Amygdala und angeschlossene Gehirnareale. Dort sitzt die Zeitlosigkeit, das selbstvergessene Spiel der Kinder u. a. entspannende, erfreuliche Möglichkeiten.

Dort sitzen aber auch die kleineren und größeren Traumata, die zu bestimmten Zeitpunkten nicht verarbeitet werden konnten. Bildlich gesprochen sitzen dort unsere traumatisierten inneren Kinder aus verschiedenen Situationen der Entwicklungszeit in den Ecken herum. Bis wir stark genug geworden sind, und sie abholen und erlösen können, indem wir ihre belastenden Gefühle aus dieser Zeit zulassen und abfließen lassen können.

Und dann kann die vollständige Situation (sachlich und emotional zusammen) weiter geleitet werden an das Großhirn. Dieses analysiert dann die damalige Konfliktsituation, versteht, warum das Kind damals so gehandelt hat. Die innere Selbstfürsorge kann dem inneren Kindanteil dann die Liebe geben, die es damals so bitter benötigt hätte. Und das Großhirn kann alle nun vollständigen Anteile der damaligen Konfliktsituation auf Erwachsenenart wegsortieren/ verarbeiten.

Oft lösen sich dabei auch Teile der psychosomatischen Veränderungen auf, in denen der unverarbeitete Konflikt festgesessen hatte. Unser Körper ist eine Verkörperung unseres gelebten Lebens. Er ist ein Zauberer. Er kann alles herstellen und in Körpersprache übersetzen, was das Bewusstsein zu dem belastenden Zeitpunkt nicht verarbeiten konnte. Er kann entsprechend auch alle Körpersymptome auflösen und heilen, wenn wir ihn verstehen.

Liebe Grüße
Sina :)
Zuletzt geändert von Sina am 10.01.2013 14:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Aniram » 30.12.2012 19:04

Hallo Sina

Ich bin auch der Ansicht, dass unser Sehen mit der 'körperlichen' Augen sehr viel mit der Art und Weise zu tun hat, wie wir die Welt mit unseren 'geistigen' Augen wahrnehmen.
Besonders dieser Abschnitt spricht meiner Erfahrung nach einen wichtigen Punkt an:

f. Funktion - Wenn Auge/Gehirn alles klar sehen/erkennen/deuten würden, müsste sich das Psychische, emotionale und geistige System bewusst entscheiden, was es wahrnehmen will, was es ausblenden will, womit es sich beschäftigen will, und womit nicht. Es müsste eine Selektion/Auswahl treffen, wie es z. B. mit der Bedrohlichkeit durch den Streit der Eltern umgehen will und sich dabei mit Vertrauen und Selbstvertrauen selbst Halt geben will / z-B.: „so ein Streit geht vorbei und er kann unserer Familie nichts anhaben. Und wenn nicht, wird es einen anderen Weg geben, bei dem es uns auch gut gehen kann“. So ein inneres Vertrauen/ Selbstvertrauen ist dem Kind/Heranwachsenden zu dem Zeitpunkt der Entstehung der Kurzsichtigkeit aus irgendeinem Grund nicht möglich.


Allerdings sehe ich es eher so, dass nicht die Augen die Sinneseindrücke so modifizieren, dass die Psyche nicht überfordert wird, sondern dass auf beiden Ebenen - körperlich und geistig/seelisch - die 'Informationsverarbeitung' in genau derselben Weise 'gestört' ist. Dh im 'Sehdefekt' äussert sich derselbe 'Informationsverabeitungsdefekt' wie bei der geistig-seelischen Verarbeitung von Eindrücken, Erlebnissen und Problemen.

Ich meine damit konkret:
'Zentrales' Sehen als 'dominante' Wahrnehmung der Schärfe im 'ausgewählten Zentrum' wobei alles andere nicht ausgeblendet wird, sondern 'untergeordnet' als Hintergrund ( = nicht im gleichen Mass augenblicklich im direkten Fokus der Aufmerksamkeit) wahrgenommen wird.

Mir fällt das besonders in 'Stress-Situationen' schwer.

In solchen Stress-Situationen fällt es mir genauso schwer, nicht alles, was an unerledigten Anforderungen, ungelösten (und meistens momentan auch unlösbaren) Problemen, unverarbeiteten Gedankengängen usw vorhanden ist, gleichermassen und mit der gleichen 'Schärfe' und Priorität im 'Fokus halten', durchdenken und bewältigen zu wollen.
Alles Unbewältigte 'rumort' die ganze Zeit über in meinem Unterbewusstsein und drängt immer wieder gleichberechtigt und 'vordergründig' ins Bewusstsein und beeinträchtigt meine 'Konzentration' auf den jetzigen Augenblick.
Ich fühle mich erst wieder richtig wohl und finde Entspannung, wenn ich den Eindruck habe, "jetzt habe ich alles so weit im Griff, dass die Lage einigermassen unter Kontrolle ist und ich vor unkalkulierbaren Überraschungen sicher bin."

Dieses Problem des 'Prioritäten-Setzens' in der Wahrnehmung - das, was jetzt nicht unmittelbar 'dran' ist einfach in seiner 'unbewältigten Form', in 'Unschärfe' stehen zu lassen und mich davon unbeeinträchtigt ganz auf das direkte Erleben des Augenblicks zu konzentrieren - trifft vielleicht nur auf mich zu.
Vielleicht kennzeichnet es aber auch zumindest einen 'Charakterzug' von Kurzsichtigen oder überhaupt von Menschen, die Schwierigkeiten haben, beim zentralen Sehen die Peripherie 'loszulassen' sie zu ihrer ihr eigenen Funktion und Rolle kommen zu lassen.
Gruss
Marina
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Beitragvon Aniram » 31.12.2012 12:59

Hallo nochmal zu diesem Thema: " Unglückliche Verquickung von Geist/Seele und Augen beim Sehen"

Vielleicht ist ja ein guter Lösungsansatz in Davids neuestem Blog-Eintrag zu finden.
Jedenfalls schreibt er ganz einfach und nachvollziehbar, wie beim Sehen Augen und Geist (bzw der geistige Fokus Aufmerksamkeit) 'auseinandergehalten' werden sollen:

you need to separate your visual attention from the action of your eyes. They will remain connected in the sense that your eyes will naturally look at what you’re paying attention to, and you should encourage them to do so. But you have to separate your attention from your eyes so that you can work on your visualization separately without tensing up your eyes as you try to “do something” with your eyes to accomplish the task. And that isn’t hard to do. All you need is a pretty good idea what to do.

http://www.iblindness.org/community/vie ... =17&t=2682

Konkret:

When you relax your eyes, you don't have to feel the release of any tension in order to continue on to focusing your mind. Just take a few seconds to stop tensing the muscles around your eyes or face as you can and then let them be. It isn't productive to spend a ton of time on this alone, because you only need it to "set up" for focusing your mind. If you don't do this step, focusing your mind won't work very well. I guess it has something to do with the muscular tension misdirecting your attention or creating noise in your mind. I don't know.

So to focus your mind, one thing you've got to understand is you can take action with your mind without physically feeling it. You already know this, because you have thoughts that you don't feel physically.
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