Thesen zur Kurzsichtigkeit

Akkomodieren, Fusionieren, Lichtbaden, Lichtblitzen, Palmieren, Visualisieren u.a.

Thesen zur Kurzsichtigkeit

Beitragvon lukita » 09.10.2014 21:21

Wenn ich mich hier im Forum umschaue, werden häufig ein paar Ansichten wiederholt, die ich inzwischen in Frage stelle.

1. These: Kurzsichtigkeit ensteht durch zu häufiges Sehen in kurzen Distanzen (Lesen, Computerarbeit, u.ä.).

Gegenthese: Kurzsichtigkeit kann entstehen, wenn beim Blick in die Ferne eine Anstrengung vorliegt (Schultafel, Schulhof, Fernsehen, u.ä.). Bei interessiertem Blick in die Nähe sind keine negativen Konsequenzen zu erwarten. Das Kind, das den vielzitierten Schmöker mit einer Taschenlampe unter der Bettdecke liest, muss keine Verschlechterung der Sehstärke befürchten. Zumal es mit voller Aufmerksamkeit bei der Sache sein dürfte.

Bates: The Cause and Cure of Errors of Refraction

2. These: Die Muskeln der Augen werden beim Tragen einer Brille nicht genügend angestrengt. Sie werden faul und träge.

Gegenthese: Das Tragen einer Brille erhöht die Anstrengung der Muskeln, so dass die Fehlsichtigkeit weiter zunehmen kann. Den größten Fortschritt kann man erreichen, wenn man die Brille absetzt und dann auf entspanntes Sehen achtet.

Bates: What Glasses Do to Us

3. These: Die Muskeln der Augen müssen durch regelmäßige Übungen trainiert werden.

Gegenthese: Die Muskeln sind bereits stark genug. Letztlich ist der größte Erfolg wohl damit zu erzielen, die Idee des zentralen Sehens zu verinnerlichen und anzuwenden. Das kann man dann mit allem üben, was einem den Tag über vor die Augen kommt. Und zwischendurch hilft Entspannung.

Bates: Central Fixation
1986 Erste Brille
2008-10 Brille R sph -4.75 cyl -1.00, L sph -5.00 cyl -0.00
2013-04 Beginn Sehtraining
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Re: Thesen zur Kurzsichtigkeit

Beitragvon Ivan » 10.10.2014 01:18

Hallo,

Zur 1. These: Sie ergibt Sinn. Die Naharbeit steigt immer weiter an und demzufolge auch die Kurzsichtigkeit. Ich finde, dass angestrengtes Sehen in die Ferne nicht (unbedingt) Kurzsichtigkeit verursacht.

Zur 2. These: Es liegt meiner Meinung nach daran, dass man die Brille dauerhaft bei (langanhaltender) Naharbeit trägt. Da man (ohne Brille) kurzsichtig geworden ist, u.a. durch exzessive Naharbeit (man war emmetrop), und dann wieder durch die Brille emmetrop "wird" und diese bei exzessiver Naharbeit wieder dauerhaft trägt, wird man eben noch kurzsichtiger.

Fast kein Lebewesen wird emmetrop geboren, sondern eher hyperop. Durch "visual feedback" (wo ist das Bild? vor der Netzhaut, hinter der Netzhaut) entwickelt man eine Emmetropie. Eine These, weswegen man kurzsichtig wird: Bei langer Naharbeit (ohne kurzen Blick in die Ferne, das muss man noch näher erforschen) treten "lags of accommodation" auf (wohlmöglich wegen Strain, da unsere Augen für die Ferne sind) und das Bild ist leicht defokussiert. Die Bündelung findet leicht hinter der Netzhaut statt. Dauert dieser Zustand lang genug an, passt sich das Auge auf die Distanz an - eine "Emmetropisierung" findet (immer noch) statt.

Zur 3. These: Das kann man so nicht pauschalisieren. Das Auge passt sich an in zu starkes konkaves Glas (für die Kurzsichtigen) an.

Bei Hühnern z.B. ist es so, dass sie sich an die Linse anpassen. Setzt man ihnen ein Plusglas vor die Augen, werden sie weitsichtig. Setzt man ihnen ein Minusglas vor die Augen, werden sie kurzsichtig. Man fand heraus, dass das Auge auf einen "myopic defocus" (d.h. die Bündelung geschieht vor der Netzhaut) viel sensibler reagiert als auf einen "hyperopic defocus" (Bündelung hinter der Netzhaut). Dieses Experiment hat man bei anderen Tieren auch durchgeführt, ihr könnt ja mal danach googlen.

Interessanter Artikel über Defokussierung beim Menschen: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20592235

Hier wurde gezeigt, dass eine kurze Dauer von einem defokussierten Bild das Auge dazu bewegt, zu wachsen oder zu schrumpfen. Ich habe den Autor kontaktiert und gefragt, ob Langzeitstudien geplant sind. Er antwortete mir, dass sie eher interessiert sind, die Kurzsichtigkeit zu bremsen statt sie zu eliminieren. Eine Methode, wo eine myopische Defokussierung zu beobachten ist und die Myopieprogression gebremst wird, ist die Orthokeratologie ("Halo effect", Defokussierung in der Peripherie).

Auf meine Frage nach seiner Mail, warum man nicht daran interessiert ist, die Fehlsichtigen zu "re-emmetropisieren", kam (natürlich & leider) keine Antwort mehr.

Das erklärt, warum es Fälle gibt, wo Menschen in der Natur waren und ihre Brille nicht mehr zur Verfügung hatten und wieder zur vollen Sehschärfe gelangten.

Ich habe selber durch die Bates Methode scharfe Momente erlebt, aber keinen wirklichen Fortschritt erzielt. Die These der "aktiven Emmetropisierung" ergibt für mich Sinn. Das Auge wächst zum Brennpunkt der Linse bzw. passt sich seiner Umwelt an, um die Tätigkeiten so entspannt wie möglich zu verrichten.

Grüße,
Ivan
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