Was Korrekturlinsen tun

Akkomodieren, Fusionieren, Lichtbaden, Lichtblitzen, Palmieren, Visualisieren u.a.

Was Korrekturlinsen tun

Beitragvon Flo » 29.05.2012 17:20

Hallo mal wieder. Bild

In welcher Weise kann das (regelmäßige) Verwenden von Korrekturlinsen dem natürlichem Sehprozess schaden bzw. dessen (Wieder)herstellung entgegenstehen? ("Ein Erklärungsversuch", letztes Update: 27. Juni 2015)

Einmal angenommen, die Augapfelgeometrie kann (auch) systematisch durch die von außen an ihn angreifenden sechs äußeren Augenmuskeln in unguter, also "abbildungsfehlererzeugender" Weise beeinflusst werden, wie zum Beispiel Dr. William Bates in "Perfect Sight Without Glasses" zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts beschrieb.

Dann kann Kurzsichtigkeit (also "chronisches Auftreten von Abbildungsfehlern beim Blick in die Ferne") als ein Defizit des Schauenden, eine Akkomodation an Sehdetails in der Ferne bis zum Erreichen der vollen Sehschärfe durchzuführen, da das dafür erforderliche Maß an muskulärer "Wohlspannung" rund um den Augapfel nicht (mehr) erbracht bzw. sichergestellt werden kann, verstanden werden. Und Weitsichtigkeit (also "chronisches Auftreten von Abbildungsfehlern beim Blick in die Nähe") kann so in vergleichbarer Weise aufgefasst werden als ein Defizit des Schauenden, eine Akkomodation an Sehdetails in der Nähe bis zum Erreichen der vollen Sehschärfe durchzuführen, da das hierfür erforderliche Maß an muskulärer "Wohlspannung" rund um den Augapfel nicht (mehr) erbracht bzw. sichergestellt werden kann.

Wie genau treten nun Korrekturlinsen – seien es Brillen oder Kontaktlinsen – hiermit in Wechselbeziehung?

Bei Minuslinsen erscheinen Sehdetails ein wenig kleiner und werden geometrisch an den Betrachter herangerückt (siehe Strahlenoptik). Bei Sehdetails nahe des Fernpunktes ist dieses erwünscht, jenes wird in Kauf genommen. Bei Sehdetails nahe des Nahpunktes ist beides unerwünscht. Denn es bedeutet, dass Minuslinsen das Sehen in der Nähe "doppelt" erschweren. Aber sie erleichtern das Sehen in die Ferne; denn sie "kommen" dem Auge mit den Sehdetails optisch-geometrisch gewissermaßen "entgegen".

Minuslinsen tun also folgendes: Sie verschieben das Intervall von Nah- zu Fernpunkt auf den Betrachter zu. Daraus folgt, dass bei jeder Verwendung von Minuslinsen der natürlicherweise (zumindest prinzipiell) optisch bzw. physiologisch zugängliche Teil des Bereiches des Akkomodationsspektrums in der Ferne verkürzt wird. Und bei jeder fortschreitend ansteigenden Korrekturlinsenverschreibung wird er ein weiteres Stückchen weiter verkürzt.

Eine kausale Entstehungs- und Fortwirkungskette einer solchen Kurzsichtigkeit wäre dann in der Tatsache verankert auffindbar, dass eine gegebenenfalls zugrundeliegende neurologisch-psychologische bzw. -physiologische Funktionsstörung bzw. -einschränkung, die für die chronische muskuläre Fehlspannung verantwortlich ist und die den verkürzten Akkomodationsprozess ursprünglich verursacht hat – und dann auch weiterhin kontinuierlich verursacht – bei typischer regelmäßiger bzw. (mehr oder weniger) durchgängiger Korrekturlinsenverwendung nicht behoben ist, sondern ihr im Gegenteil durch "das Problem 'linderndes' Entgegenkommen" mit dem Fernpunkt noch ermöglicht wird, sich weiter zu verschlimmern ("fortschreitende chronische Kurzsichtigkeit") oder sich zumindest als Gewohnheit zu verfestigen ("stagnierende chronische Kurzsichtigkeit").

Dazu analoge Aussagen kann man für Pluslinsen und Weitsichtigkeit formulieren.

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Beitragvon Flo » 16.09.2014 13:38

Analoge Aussagen für Pluslinsen und Weitsichtigkeit [werden hinzugefügt];
[bis dahin] an dieser Stelle eine anatomische Skizze der Augenmuskulatur:

Bild

Den musculus rectus medialis kann man sich an der rückwärtigen "Innenseite" des
Augapfels ganz analog zu den anderen geraden Augenmuskeln fortgesetzt denken.
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Beitragvon Flo » 19.09.2014 15:15

Analoge Überlegungen lassen sich auch für den Fall anstellen, dass die Fehlsichtigkeit (zu einem gewissen Teil oder auch vollständig) durch eine krankhafte physiologisch (semi)stabile Verformung des Augapfels bedingt ist – sofern diese beeinflussbar und (zu einem gewissen Grade oder auch vollständig) reversibel ist und diese aus vergleichbaren neurologischen bzw. funktionellen Ursachen hervorgegangen ist, wie sie weiter oben für die äußeren Augenmuskel(gebrauchs- bzw. funktions)störungen angenommen sind.

Auch in dem Falle bleibt aus meiner Sicht der Schluss bestehen, dass die Verwendung von Korrekturlinsen und gleichzeitig nicht durchgeführter möglichst systematischer Behebung der eigentlich ursächlichen Störungen des Augen- bzw. Blickgebrauches des Betroffenen dem Fortschreiten der Fehlsichtigkeit zuträglich sein kann bzw. die Fehlsichtigkeit bestenfalls in ihrem momentanen Zustand "einfrieren" kann, sofern sich die erzeugenden Ursachen nicht durch von Sehpraxis unabhängige "glückliche Umstände" gewissermaßen "von selbst" (wieder) auflösen.

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Beitragvon Flo » 27.06.2015 03:36

Flo hat geschrieben:Bei Minuslinsen erscheinen Sehdetails ein wenig kleiner und werden geometrisch an den Betrachter herangerückt (siehe Strahlenoptik). Bei Sehdetails nahe des Fernpunktes [...] erleichtern [Minuslinsen] das Sehen in die Ferne; denn sie "kommen" dem Auge mit den Sehdetails optisch-geometrisch gewissermaßen "entgegen". // [...] Sie verschieben das Intervall von Nah- zu Fernpunkt auf den Betrachter zu. Daraus folgt, dass bei jeder Verwendung von Minuslinsen der natürlicherweise (zumindest prinzipiell) optisch bzw. physiologisch zugängliche Teil des Bereiches des Akkomodationsspektrums in der Ferne verkürzt wird. Und bei jeder fortschreitend ansteigenden Korrekturlinsenverschreibung wird er ein weiteres kleines Stückchen weiter verkürzt.

Hierzu einmal ein paar konkrete Zahlen, die verdeutlichen, wie drastisch bei Minuslinsenkorrektur die Entfernungen, in denen sich sehr weit entfernte Gegenstände (Abstand vom Auge unendlich (oder nahezu unendlich) groß bis hin zu ungefähr sechs Meter vom Betrachter entfernt) für das mit Brille oder Kontaktlinse "bewehrte" Auge scheinbar befinden – also die Entfernungen, auf die das Auge/das Sehsystem sich einzustellen angehalten wird –, von den wirklichen Entfernungen der Gegenstände abweichen:

0.25 Dioptrien: ungefähr 4 Meter scheinbare Entfernung
0.50 Dioptrien: ungefähr 2 Meter scheinbare Entfernung
0.75 Dioptrien: ungefähr 1⅓ Meter scheinbare Entfernung
1 Dioptrie: ungefähr 1 Meter scheinbare Entfernung
2 Dioptrien: ungefähr ½ Meter scheinbare Entfernung
3 Dioptrien: ungefähr Meter scheinbare Entfernung
4 Dioptrien: ungefähr ¼ Meter scheinbare Entfernung

... und so weiter... stets nach der Formel: Scheinbare Entfernung sehr weit vom Auge entfernter Gegenstände = 1 / (positive) Brechkraft der Brille.

Das gesamte Intervall von "sehr weit (im obigen Sinne) vom Auge entfernte Sehgegenstände" bis hin zu "ganz nahe vor dem Auge befindliche Sehgegenstände" wird hierbei entsprechend dieser Abbildung auf den farblich unterlegten Bereich reduziert (das Auge ist links vom Brillenglas hinzuzudenken, die rechte Kante des unterlegten Bereiches entspricht der scheinbaren Entfernung unendlich weit entfernter Gegenstände):

Bild

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Re: 709

Beitragvon lukita » 27.06.2015 10:19

Flo hat geschrieben:Bei Minuslinsen erscheinen Sehdetails ein wenig kleiner und werden geometrisch an den Betrachter herangerückt (siehe Strahlenoptik). Bei Sehdetails nahe des Fernpunktes [...] erleichtern [Minuslinsen] das Sehen in die Ferne; denn sie "kommen" dem Auge mit den Sehdetails optisch-geometrisch gewissermaßen "entgegen".


Das nehme ich genau gegenteilig wahr: Die Objekte erscheinen durch Minuslinsen kleiner und rücken damit scheinbar in die Ferne.
1986 Erste Brille R sph -1.50 cyl -0.00, L sph -1.50 cyl -0.00
2008-10 Brille R sph -4.75 cyl -1.00, L sph -5.00 cyl -0.00
2013-04 Beginn Sehtraining
Seit 2013-09 Es gibt Augenblicke mit Visus > 0.7 ohne Brille.

Mein Ziel: Ein Leben ganz ohne Brille
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Beitragvon Flo » 27.06.2015 13:43

Hallo lukita.

Bei Minuslinsen erscheinen Sehdetails ein wenig kleiner und werden geometrisch an den Betrachter herangerückt (siehe Strahlenoptik). Bei Sehdetails nahe des Fernpunktes erleichtern Minuslinsen das Sehen in die Ferne; denn sie "kommen" dem Auge mit den Sehdetails optisch-geometrisch gewissermaßen "entgegen".

Das nehme ich genau gegenteilig wahr.

Ja, die Aussage hast Du möglicherweise falsch verstanden. Die Heranrückung ist, wie geschrieben, optisch-geometrischer Natur und wird subjektiv vom (kurzsichtigen) Betrachter nicht zwangsläufig auch als eine Heranrückung der Sehobjekte (bei gleichzeitiger scheinbarer Verkleinerung) wahrgenommen. (Allzumal die saubere Akkommodation für Sehentfernungen, die größer sind, als die weiter oben tabellierten, bei Kurzsichtigkeit ja eh schon seit mehr oder weniger langer Zeit nicht mehr stattfindet (sofern sie dies überhaupt jemals tat), also für den subjektiven Betrachter seit mehr oder weniger langer Zeit keinerlei Informationen mehr darüber hereinkommen, "wie es sich anfühlt", für größere Sehentfernungen sauber zu akkommodieren. Es liegt hierzu also kaum oder keinerlei körperliches/geistiges Erfahrungswissen vor.)

Die Objekte erscheinen durch Minuslinsen kleiner und rücken damit scheinbar in die Ferne.

Das wiederum liegt für mein Verständnis daran, dass Du durch Erfahrungslernen weißt, dass die weit entfernten Objekte, die Du da jeweils gerade betrachtest, nun einmal "soundso weit entfernt sein müssen" und, wenn sie dann noch etwas kleiner erscheinen (etwa, weil sie durch eine Minuslinse betrachtet werden), eben noch etwas weiter entfernt sein müssen... jedenfalls fasst Dein Geist es so auf. – Es ist gut vergleichbar mit der ebenfalls erlernten Fähigkeit (ohne groß darüber nachdenken zu müssen), einäugig die Entfernung von bestimmten vertrauten Gegenständen mehr oder weniger korrekt einschätzen zu können, auch wenn weder "echtes" stereoskopisches dreidimensionales Sehen noch Relativbewegung im bzw. zum Gesichtsfeld vorliegt.

Das Geschriebene ändert aber nichts an der drastischen optisch-geometrischen Heranrückung weit entfernter Sehobjekte an das Auge; also auch nichts daran, dass ein Auge, welches zum Beispiel einen Brechungsfehler von 0.25 Dioptrien aufweist und einen 1000 Meter entfernten Gegenstand betrachtet, physiologisch in eine Entfernung blickt, die ungefähr 996 Meter näher am Auge liegt (egal, ob der Gegenstand gerade ohne Brille/Kontaktlinse unscharf oder mit Brille/Kontaktlinse scharf gesehen wird). Es ist eben eine echte (physiologisch) "drastisch verkürzte Sicht" – auch bereits schon bei eigentlich relativ geringen Brechungsfehlern – und diese Zusammenhänge helfen (wie mir selbst gerade erst so richtig klar wird) möglicherweise auch, noch besser zu verstehen, warum zum Beispiel Dr. Bates von der Verwendung von Brillen jeglicher Art während der Therapiephase abriet.

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